Mutmaßlich illegaler Vogelhandel vor Gericht (30.12.2011)

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Langjährige Recherchen des VsK zeitigen großen Erfolg

Die Aufdeckung von Verstößen gegen Artenschutzbestimmungen und des illegalen Handels mit Wildvögeln bilden einen maßgeblichen, meist ganz unauffällig betriebenen, Bestandteil der Tätigkeit des Vogelschutz-Komitee.  Eine für den Artenschutz wichtige Tätigkeit, die aber oftmals an juristischen Hürden und Schachzügen oder vielfach auch mangelndem Einsatz zuständiger Institutionen und Amtspersonen auf nicht zu bewältigende Hindernisse stößt.

Ein Fall, zu dessen gerichtlicher Aufklärung und Aburteilung des Täters das VsK beigetragen hat, fand im südthüringischen Sonnenberg seinen vorläufigen Abschluss mit einer angemessenen Bestrafung.

-> inSüdthüringen.de vom 21.12.2011: Die kriminelle Energie des "Waldkauz65"

 

Noch weitaus schwerwiegender, wenn sich das im Zuge des Prozesses so bestätigt, sind aber die artenschutzrechtlichen Verstöße, die ab Anfang Januar 2012 beim Landgericht Münster (Westfalen) verhandelt werden.

-> Münstersche Zeitung vom 15.11.2011: Prozess gegen illegale Vogelhändler aus Metelen

-> Westfälische Nachrichten vom 01.12.2011: Richter lehnen Befangenheitsantrag ab

-> Emsdettener Volkszeitung vom 02.12.2011: Metelener wegen Nesträuberei vor Gericht

-> Münstersche Zeitung vom 21.12.2011: Ein Vogelfreund macht solche Bilder nicht

-> nw-news.de vom 01.01.2012: Eierdiebe stehen in Münster vor Gericht

 

Bereits im Herbst 2006 erstattete  das Vogelschutz-Komitee Anzeige wegen illegalen Vogelhandels gegen die angeblichen Züchter B. und T. aus Metelen, NRW. Die beiden nun angeklagten Vogelhalter standen beim VsK schon lange im Verdacht, unrechtmäßig aus der Natur entnommene Vögel als Individuen aus eigener Nachzucht anzubieten und in großem Umfange zu verkaufen. Darunter auch seltene Arten wie Brachvogel, Wiedehopf, Kampfläufer diverse Regenpfeifer usw., die auch schwer in  Gefangenschaft „artgerecht“ zu halten oder gar zu züchten sind.

Endlich, im Sommer 2007, fanden auf Grund der Anzeige und des immer wieder erfolgenden Nachhakens des VsK-Anwalts umfangreiche Durchsuchungen auf dem Gelände der Beschuldigten statt. Beschlagnahmt und von dort mitgenommen wurden schließlich über 200 lebende Vögel, allesamt Exemplare zahlreicher geschützter Arten.

Von jedem einzelnen Vogel wurden Proben genommen und charakteristische Merkmale zur Eltern-Kind-Beziehung bestimmt. Ergebnis: In keinem einzigen Fall war einem Vogel aus einer angeblichen Nachzucht ein Elterntier zu zuordnen. Anderer Zuchtursprung wurde auch nicht nachgewiesen. Die angeblich gezüchteten Vögel wurden somit vermutlich allesamt verbotswidrig aus freier Wildbahn entnommen.

Das VsK hatte bei den zuständigen Behörden darum gebeten die beschlagnahmten Vögel nicht an diverse Vogelhalter abzugeben und auf Gefangenschaftshaltungen zu verteilen, um den Tieren ein unwertes Dasein hinter Drahtgittern zu ersparen.

Denn: Ein Käfig ist kein Lebensraum! Vielmehr waren nach Möglichkeit alle gesunden und intakten Vögel in Freiheit zu verbringen. Die Tiere wurden alle beringt. Viele wurden dann auch später an Hand der Ringnummer erkannt; ein Seeregenpfeifer fand sogar den Weg zur Irischen Küste.  Einige Spornkiebitze, eine nur im Süden Europas heimische Art, wurden im Herbst 2007 im Rahmen der dort laufenden Einsätze des VsK gegen die Vogelwilderei mit nach Zypern genommen und dort an einem kleinen See freigelassen, wo sie alle sogleich Kontakt zu den dort anwesenden Artgenossen aufnahmen.
Es fanden im Laufe der vergangenen Jahre umfangreiche Ermittlungen durch das Landeskriminalamt NRW statt.  Die Ermittlungen selbst zogen sich über mehr als 2 Jahre hin, was belegt, wie schwierig es ist, kriminelle Machenschaften im illegalen mafiösen Handel mit artgeschützten Lebewesen zu ermitteln und gerichtsfest nachzuweisen. Das zeigt auch der Prozessumfang, der vorab anberaumt ist.
Nun hat vor der großen Kammer beim Landgericht Münster der Prozess gegen die beiden Tierhalter begonnen.  Das Gericht hat 13 Verhandlungstage angesetzt. Mit einem Urteil ist im März 2012 zu rechnen.


Wir werden an dieser Stelle weiter berichten.

R. Noeske/Dr. E. Schneider