Kranich – Willkommen Linum eröffnet die Saison mit einem „Kranichfest“

Kranich – Willkommen

Linum eröffnet die Saison mit einem „Kranichfest“


Linum, Sept. 2013:

Mit einem Festumzug durch den Ort (Beginn 13 Uhr) entlang einer eigens aufgebauten „Festmeile“ werden am Samstag 28. September in Linum die beim Zug nach Süden sich zur Rast dort einfindenden Kraniche begrüßt. Mit diesem „Kranichfest“, welches vor ein paar Jahren schon das Vogelschutz-Komitee in einem kleineren Rahmen kreiert hatte, will man nun von Seiten der Gemeinde verstärkt in das Geschehen eingreifen. Diese Veranstaltung erfährt immerhin sogar die Mitwirkung einer eigens angereisten Blaskapelle aus der tschechischen Partnergemeinde Belatice und von Akteuren aus den benachbarten Ortsteilen der Großgemeinde Fehrbellin. – Besucher aus Nah und Fern werden erwartet, vor allem aus der nahe gelegenen Hauptstadt, denen man zum Auftakt der diesjährigen „Kranichsaison“ etwas mehr darbieten möchte, als es die sonst eher sehr mäßige Infrastruktur des Dorfes zu leisten vermag.

Ein wie auch immer gearteter „Rummel“ um die Präsenz von Tieren, die Vermarktung des „letzten Haares, der letzten Feder“ attraktiver Arten ist sicherlich eher skeptisch zu sehen. So stellen zweifellos auch die zu Kranichbeobachtungen nach Linum strömenden Besucher einen nicht nur rundum begrüßenswerten Faktor dar. Unter der Vielzahl verständnisvoller Naturfreunde, die das Erlebnis vor allem des Abendeinflugs in die Schlafbereiche im Teichgebiet und den leicht überfluteten Wiesen nordöstlich von Linum – für besondere Kenner auch des morgendlichen Ausflugs zu den Nahrungsflächen in der Umgebung – finden sich leider auch immer wieder besonders Unverständige und Uneinsichtige, die sich nicht an Wegegebote und Betretungsverbote halten. Solche Personen meinen, vom Betretungsrecht in der freien Landschaft uneingeschränkt Gebrauch machen zu können. Dass die Vögel sowohl an den Schlafplätzen wie auf den Nahrungsflächen durch dort auftauchende Menschen sich gestört fühlen, und dass jene „Kranichbeobachter“ nach Unterschreitung der den Tieren innewohnenden „Fluchtdistanz“ sie zur Flucht und zum Abflug veranlassen, reflektieren solche „Kranichtouristen“ kaum.

Kraniche 011

Aber auch im Ort selbst findet das Aufscheinen der vielen Tausend Besucher während der ab Ende September zirka sechs Wochen andauernden „Kranichsaison“ nicht ungeteilte Begeisterung bei Ortsansässigen. Nicht allein das mit den Besuchern verbundene hohe Aufkommen an Kraftfahrzeugen, welche die ohnehin nicht geräumige Dorfstraße einengen, bewirkt Unbehagen; insbesondere oftmals durch abgestellte Fahrzeuge versperrte Hofeinfahrten usw. erzeugen Unmut. Welcher dann törichter Weise gegen die im Gebiet rastenden Kranich gerichtet wird, in denen man die Wurzel dieses von unvernünftigen und rücksichtslosen Zeitgenossen verursachten Übels sieht. „ausrastende“ Dörfler sind leider kein Einzelfall; schlimm auch jene, die im Gelände Knallapparate betreiben, um die Vögel von den Nahrungsplätzen zu verscheuchen.

Vielleicht kann da ja die nun offizielle Einbindung der Gemeinde und verschiedener Akteure mit ihrem Verkaufsangebot an die Besucher gegenüber den örtlichen Kranichgegnern ein wenig Mäßigung bewirken. Jedenfalls ist es gut, wenn die Besucher ein wenig mehr vorfinden als nur die eine oder andere, manchmal aus eher zweifelhaftem Ursprung stammende und fachlich wenig fundierte „Kranichführung“ gegen happiges Entgelt, oder das überschaubare Angebot der wenigen örtlichen Verkäufer ländlicher Erzeugnisse. Eine weithin verbreitete positive Meinung der Besucher zu diesem „größten Mitteleuropäischen Kranichrastplatz“ mit bis zu 80.000 im Zughöhepunkt hier rastenden „Vögel des Glücks“ kann dem Artenschutz, dem Schutz des Kranichs und seiner Schlaf-, Mauser und Nahrungsplätze nur dienlich sein. Wenn man auch auf Seiten der Gemeinde erkannt hat, dass in dieser natürlichen Gegebenheit des Oberen Rhinluchs, diesem überragenden bedeutsamen „Trittstein“ im internationalen Vogelzug, auf dem sich die Zugwege der skandinavischen Vögel mit denen aus dem östlichen Mitteleuropa, Baltikum und Nordrussland kreuzen, kann das für den Naturschutz nur gut sein. Insbesondere das im Frühjahr diesen Jahres endlich per Schutzverordnung festgelegte Naturschutzgebiet (= FFH-Gebiet, EU-Vogelschutzgebiet) Oberes Rhinluch erfährt damit zugleich eine höhere Wahrnehmung und Aufmerksamkeit bei Manchem, der dem bisher ablehnend gegenüber steht.

Öffentliche Wahrnehmung und hoher Bekanntheitsgrad, auch wenn dies die beiden lokalen naturschützerischen „Flaggschiffe“, der Weißstorch im „Storchendorf Linum“ und die grauen Kraniche, zu tragen haben, kann dem massiv unter der allgegenwärtigen Dominanz höchst intensiver Agrarindustrie leidenden Gesamtgebiet nur gut tun.

Besucher zur Zeit der Weißstörche im Sommer und die noch viel zahlreicheren
Kranichbesucher im frühen Herbst sind deshalb herzlich willkommen. Sie alle tragen zur Sicherung des Naturschutzes insgesamt in der Region bei, weil diese Besucher den natürlichen Wert des Gebietes verspüren, genießen und seine Bedeutung als Naturraum mit seiner Pflanzen- und Tierwelt nachvollziehen; wozu so manchem eingesessenen „Dörfler“ noch immer die Erkenntnis fehlt.

Das Vogelschutz-Komitee e.V. wird sich natürlich auch in das Angebot dieses „Kranichfestes“ mit einbringen – aber nicht nur zu dieser Eintags-Gelegenheit sondern auch in den kommenden Wochen, solange Kranich-Besucher im Ort weilen, mit angepasstem Angebot.

 

So reihen wir uns ein in die „Festmeile“ mit unserem erprobten und gern besuchten

VsK- Informations- und Bücherstand

vor unserem brandenburgischen VsK-Büro, Nauener Str. 25 A, Linum

Ab 16 Uhr geführte Exkursion zur Beobachtung des Kranicheinflugs im Teichgebiet

´(Führung: VsK-Kooperationspartner Karl-Heinz Sass, Tierfilmer und –fotograf)

Treffpunkt: Büro des Vsk / Landpension Adebar


unser Kooperationspartner „Stiftung Kranichland“ - Herr M. Sc. Hubert Pomplun bietet an:


Wissenswertes über Ökologie, Verhalten und Zugwege der Europäischen Kraniche

eine etwa 20minütige Bildpräsentation (Beginn: 14 Uhr, Wiederholungen nach Bedarf)), in der Receptionshalle Landpension Adebar, Nauener Str. 25, Linum

VsK-Kooperationspartner Landpension Adebar (
www.landpension-adebar.de) bietet an:

frisch gebackenen Kuchen aus der Region, Kaffee u. a. warme und kalte Getränke

unsere eigene Kreation – nur hier! - frisch gegrilltes „Adebars Kranichbrot“

von uns selbst hausgemachte Kürbissuppe „Vogelschützer“

frisch zubereitete Flammkuchen aus dem Adebar-Holzbackofen

Dazu ist empfohlen: ein frischer Wein aus dem Elsass „Edelzwicker“

oder ein vorzüglicher spanischer Rotwein El Coto

Zusammen mit unseren Kooperationspartnern heißen wir alle Kranichfreunde herzlich willkommen und wünschen einen angenehmen Aufenthalt beim „Kranichfest“.

Für alle Kranich-Besucher steht unsere geräumige Beobachtungsplattform, gleich am Feldrand hinter den Gebäuden der Landpension Adebar zur Verfügung. Von dort aus ist sehr gut in weiter Front der Abendeinflug der von den südlich gelegenen Nahrungsflächen in großen Formationen zurückkehrenden Kraniche zu beobachten.

 

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Zur Zeit ist der Rastplatz Oberes Rhinluch bereits von einigen tausend Kranichen besucht; es gesellen sich täglich viele Neuankömmlinge hinzu, deren Ankunft auch sehr einprägsame Bilder liefern: Man hört zunächst ferne Rufe, macht dann hoch am Himmel die Vögel aus, beobachtet, wie sie über dem Gebiet kreisen, sich orientieren und in großen Spiralen im Sinkflug das Gelände erkunden, um sich dann mit den anwesenden Artgenossen zu vergesellschaften. – Und nachts, wenn der Tageslärm einigermaßen abgeklungen ist, hört man selbst im Ort noch das nicht endende Rufe-Konzert der vielen tausend Vögel, die im Teichgebiet übernachten.

Dr. Eberhard Schneider