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Polnisch-deutsche Storchenbeziehung

In Deutschland beringter Weißstorch nistet auf Scheune in Masuren 

Den Beinamen „Storchendorf“ hätte das  aus ganzen sieben Häusern bestehende Dörfchen Zywkowo wohl zu Recht verdient. In dieser von gerade mal 20 Menschen bewohnten, aber seit Menschengedenken von Weißstörchen als Brutplatz besonders geschätzten, masurischen Ortschaft ca. 60 km nordöstlich von Allenstein (Olsztyn), nur etwa 1 km westlich  der russischen Grenze entfernt, leben mehr Störche als Menschen.

Unsere Partnerorganisation PTOP  www.ptop.org.pl. hat deshalb dort bereits vor einigen Jahren einen sonst dem Zerfall preisgegebenen alten Bauernhof erworben. Den bewirtschaftet PTOP mit einer eigenen Herde aus Konikpferden und dem, Ende vorigen Jahrhunderts kurz vor dessen Aussterben geretteten, seltenen Roten Polnischen Rind.

Alle Bewirtschaftungsziele dienen dem Natur- und Vogelschutz und ganz besonders der Erhaltung der dort alljährlich brütenden Weißstörche und anderer Wiesenvögel.

Damit will PTOP insbesondere auch der internationalen  „besonderen Verantwortung“ im Weißstorchschutz gerecht werden, die dem Land zufällt, das über 60 % des weltweiten Brutbestandes beherbergt. Dem Bemühen um den Schutz der Störche  lässt das Vsk seit Jahren eine maßgebliche Unterstützung zukommen. Insbesondere wurden erhebliche Mittel aus dem, dafür zweckbestimmten,  Spendenaufkommen der Förderer des VsK, für den Erwerb  von Grünland und zur dauerhaften Sicherung der Nahrungsflächen für diesen beeindruckenden Storchenbestand bereitgestellt.

In diesem Jahr (2017) erlebte der Brutbestand in Zywkowo einen unerwarteten Aufschwung. Waren es in den vergangenen Jahren jeweils etwa 40 Weißstorchpaare, die auf den Horsten in umstehenden Bäumen und auf den, größtenteils restaurierten, Dächern der renovierten Gebäude ihre Jungen aufzogen, so finden sich aktuell mit 50 Paaren dort sogar 11 Paare mehr als im vorigen Jahr. Das ist, obwohl der Winter lang währte und die zuerst Angekommenen sich mit den durch Eis und Schnee bedingten Witterungsbedingungen auseinandersetzen mussten, der Höchststand an Brutpaaren seit 15 Jahren.

Doch dieser Brutbestand birgt eine weitere Überraschung: Es befindet sich unter den brütenden Altstörchen ein Vogel, der ausweislich des  an seinem Bein befindlichen Ringes, aus Deutschland kam und den weit entfernten Platz für die Aufzucht seines Nachwuchses auserkoren hat.

Wann und wo dieser Storch beringt wurde, teilt uns die Beringungszentrale der Vogelwarte Hiddensee mit:
Dieser Storch wurde im Jahr 2012 als Nestjunges in einem Horst in Bentwisch, Landkreis Rostock beringt.  Er hat nun den Horst auf dem weit (ca. 545 km Luftlinie) von seinem heimatlichen Nest entfernten Scheunendach auserkoren und mit seiner Partnerin besetzt. Junge gibt es in diesem Jahr leider noch keine. Wo er sich in den vergangen Jahren aufgehalten hat, ist unbekannt – vielleicht zog er in Afrika weit umher?

Besonders bemerkenswert ist dieser Fall, weil er belegt, dass ein Austausch zwischen dem polnischen Weißstorchbestand und dem in Deutschland besteht.

Nicht allein, dass in der in´s Elbtal übergehenden Prignitz im Vorjahr zwei in Polen beringte Weißstörche  als Brutvögel festgestellt wurden, zeigt das Beispiel, dass dieser bestandsinterne Austausch bis weit in den östlichen Teil Mitteleuropas reicht.  

Der Fall gibt meiner, bei manchen Weißstorch-Experten nicht erwünschten, Auffassung Recht, dass wir es mit einem, zumindest den östlichen Teil des Bundesgebietes und polnische Habitate Hilfen zur Förderung des polnischen Storchenvorkommens steht somit ganz im Zeichen auch der Förderung der bei uns brütenden Weißstörche.

Auch in diesem Jahr lässt VsK dem polnischen Partner PTOP eine erhebliche Hilfe für den Weißstorchschutz zukommen. Insbesondere wegen Sicherung gefahrvoller Leitungsmasten gegen Stromtod der Störche sollen die wichtigen Schutzmaßnahen gefördert werden; oder die Erhaltung und Umsetzung von alten Horsten auf baufälligen Gebäuden, die unter der schweren Last einzustürzen drohen. 

– Helfen Sie mit Ihrer Spende für den Schutz des Weißstorchs!

Dr. Eberhard Schneider                        Fotos: Menderski/PTOP


Einwand zur Art Nutria:

Gute Gründe sprechen dafür, die Einwanderung fremder Organismen zu akzeptieren. Zumindest in Schutzgebieten und ähnlichen Vorrangflächen für natürliche Habitatentwicklung und Entwicklung der Biodiversität können diese Ziele nur erreicht werden, wenn auch der natürlichen Integration von Neobiota keine Beeinträchtigung durch Eingriffe zuteilwird. Nicht selektive Eingriffe einer Bekämpfung zerstören sowohl die Altersstruktur als auch die Sozialstruktur. Das hat im Ergebnis eine Erhöhung der Reproduktionsrate und eine Steigerung der Zuwachsrate zu Folge und verfehlt das Ziel der Maßnahme. Generelle Maßnahmen gegenüber Neozoen sind nicht gerechtfertigt. Die von der EU vorgesehenen Management- und Bekämpfungsmaßnahmen gegenüber Neobiota aller Arten sind untauglich und entbehren jeder realistischen Perspektive. Sie sind ausschließlich zu beschränken auf Einzelfälle, in denen es gilt, schwere wirtschaftliche Schäden abzuwehren, sofern der Betroffene mit einer von ihm anzustellenden Prävention erfolglos blieb. Schutzgebiete und andere ökologische Vorranggebiete sind wegen Sicherstellung der im Zeichen des Klimawandels dringen notwendigen natürlichen Entwicklung der Ökosysteme grundsätzlich von den Maßnahmen auszuschließen. Inseln stehen in einer ökologischen Sonderrolle. Sie bedürfen eines besonderen Augenmerks und möglichst des Fernhaltens von Neobiota . Begründung: Die von der EU geforderten Managementmaßnahmen nach Artikel 19 der EU-Verordnung Nr. 1143/201, der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 2016/1141 sind als anachronistisch und wirklichkeitsfern anzusehen. Die Inhalte entbehren jeder modernen Aktualität evolutionsbiologischer Erkenntnisse und deren zeitgemäßer Umsetzung. Die grundlegende restriktive Haltung gegenüber Neobiota und die überkommene Zielsetzung des generellen Schutzes bodenständiger, meist einseitig präferierter, Arten vor jeglicher evolutionärer Herausforderung durch interspezifische Kon-kurrenz lässt den Mangel an Akzeptanz und Einsicht in die Erfordernis zukunftsweisender biologischer Abläufe erkennen. Die angestrebten Management- und Bekämpfungsabsichten lassen die Einbeziehung populationsbiologischer und populationsökologischer Parameter vermissen. Sie beinhalten allenfalls die Fortschreibung antiquierter und vielfach unrealistischer oder bereits als untauglich erwiesener Maßnahmen. Sie setzen die der Biodiversität schädliche Überformung der evolutiven und ökosystemaren Entwicklungen fort und sind dazu angetan, die angestrebte Erhaltung und Förderung der Biodiversität schwerwiegend zu belasten. Sie verhindern, dass bodenständige Lebensgemeinschaften, die sich durch natürliche Prozesse ohne menschliche Einflussnahme weiter formen und dem Schutz solcher Prozesse in der Biodiversität dienen; oder sich zu überlebensfähigen Populationen mit Adaptationsvermögen gegenüber den klimatischen Veränderungen die fort zu entwickeln. Die Forderung nach Maßnahmen verkennt völlig, dass eine wesentliche treibende Kraft hinter der rezenten Ausbreitung von Neobiota als Geschehen im Rahmen der Globalisierung zu einem längst nicht mehr beherrschbaren Phänomen wurde. Die Maßnahmen gegen Neobiota sind als im Ergebnis perspektivenlos aktionistisch zu werten. Sie lenken lediglich von der Problematik der aus den globalen Warenströmen und den weltumspannenden Menschenaktivitäten resultierenden Verschleppung von Organismen ab. Die Neubesiedlung von Lebensräumen durch gebietsfremde Spezies ist ein natürlicher Vorgang, der z. B. in der Anemochorie und Zoochorie u. a. natürlich bedingten Abläufen, etwa auch Verdriftung durch Gewässer, seine tragenden Vektoren hat. Pilzsporen, Pflanzensamen, fliegende Insekten u.a. werden z. B. durch Wind über große Entfernungen transportiert. Nicht zuletzt kommt seit Jahrtausenden der anthropogenen Verschleppung und gezielter Verbreitung von fremden Organismen im Rahmen von Human-Migration, kriegerischen Invasionen o.ä. und globalem Warenhandel besondere Bedeutung zu. Derartige Vektoren leisten generell auch der zukünftigen weltweiten Verschleppung von Neobiota Vorschub. Ehemals in mitteleuropäische Regionen eingetauchte Neobiota haben, sofern sie in den nach der anthropogenen Überformung in den sich neu entwickelnden Ökosystemen und Biozönosen konkurrenzfähig waren und eine ihnen zufallende ökologische Aufgabe wahrnehmen konnten, sich etabliert und wurden Bestandteil des Biodiversitätsgefüges. Die nach der Waldrodung entstandenen Lebensgemeinschaften der mitteleuropäischen Agrozönosen wurden wesentlich durch, in der Mediterraneis oder in den osteuropäisch-asiatischen Steppengebieten ursprüngliche, immigrierte oder eingeschleppte, Neobiota geformt. Bei Verfügbarkeit freier Nischen haben sich jene Offenlandbewohner co-evolutiv integriert. Ihnen ist ein Großteil der heutigen heimischen Biodiversität geschuldet. Erfahrungen mit Neobiota, die in anderen Teilen der Erde gemacht wurden, sind nicht zwingend auf die Verhältnisse des europäischen Kontinents übertragbar. Insbesondere die oftmals negativen Auswirkungen auf die Artenausstattung isolierter Lebensräume (wie z. B. die der ozeanischen Inseln) mit begrenzter Nischenverfügbarkeit im jeweiligen Ökosystem und fehlender Adaptation dort endemischer Arten in der interspezifischen Konkurrenz, gelten nicht für unsere Lebensräume. Das Eingreifen zur Eliminierung von Neobiota, das mit aller Wahrscheinlichkeit wiederholte Maßnahmen erfordert und absehbar bei einigen bereits etablierten Spezies generell erfolglos bleiben wird, ist in mitteleuropäischen Biozönosen nicht geboten. Vielmehr gehen derartige Eingriffe gegenüber der Zielsetzung der Erhaltung der Biodiversität mit diesen Zielen nicht konform. Die anthropogene Überformung behindert die interspezifischen Auseinandersetzungen der heimischen Arten mit den neuen Spezies. Letztgenannte werden in den Fällen des Fehlens eines ökologischen Funktionsbereichs für die neue Art in der Konkurrenz unterliegen und untergehen. Bei Verfügbarkeit eines adaptierten Funktionsbereichs hingegen bedarf es der ungestörten co-evolutiven Weiterentwicklung des gesamten interspezifischen Beziehungsgefüges. Eingriffe schädigen dabei mehr al sie nützen und sie verschaffen der neuen Art, wenn sie sich bereits auf geringem Populationsniveau etabliert hat, eher eine Dominanz im Artengefüge. Auf dem Festland sind, bei bereits weiter Verbreitung des Fremdlings (anders als auf Inseln), dem Er-folg von Managementmaßnahmen Grenzen gesetzt. Sofern sich die Art adaptieren und einnischen kann und die ökologische Situation der Habitate sie begünstigt, wird sie diese Maßnahmen überdauern und später wieder in Erscheinung treten. Jede Bestandsreduktion, bei der ein Restbestand verbleibt, bewirkt in der Regel eine Erhöhung der Reproduktion. Wenn es sich also nicht um eine lokal begrenzte Startpopulation handelt, die innerhalb kürzester Frist und vor der nachfolgenden Repro-duktionsphase restlos eliminiert werden kann, bewirkt die aus dem Eingriff resultierende Verringerung innerartlicher Konkurrenz, im Ergebnis die Steigerung der Reproduktionsrate des Fremdlings. Binnen Kurzem wird der durch den Eingriff erfahrene Bestandsverlust ausgeglichen und die Lebensraumkapazität (carrying capacity) ausgefüllt. Wie alle Arten, ist die in der Primärproduktion stehende Vegetation vorrangig gezwungen, sich an die neuen Bedingungen im Klimawandel anzupassen. Dies wird aber nicht ohne Verschiebungen der Artenspektren geschehen, und zwangsläufig auch die Zuwanderung von gebietsfremden, an die neuen ökologischen Bedingungen besser adaptierten, Arten einschließen. Speziell die Neozoen siedeln sich eher in Lebensräumen an, die anthropogen überformt sind und in denen das ursprüngliche Artengefüge beeinträchtigt ist. Dabei besteht eine direkte Korrelation zwischen ihrer Häufigkeit und dem Maß, in dem solche Lebensräume anthropogen geprägt sind. Lern- und Anpassungsfähigkeit lassen höhere Tiere zumeist in urbanen Gebieten erfolgreich sein. Unter diesem Aspekt erübrigt sich ein Management von Neozoa in Schutzgebieten oder in der natürlichen Sukzession belassenen Lebensgemeinschaften. Es gibt keine Gründe für ein generelles Vorgehen gegen Neozoen außerhalb der urbanen Lebens-stätten, wo es eher eines Managements des Umganges der Menschen mit den Tieren bedarf. Eine durch Neozoen bedingte etwaige Veränderung der Vegetation, und nachfolgend der Fauna, widerspricht keineswegs dem Grundgedanken der Erhaltung der Biodiversität. Die Entwicklung solcher Gebiete mit Neozoenbestand soll ergebnisoffen ablaufen. Die sich einstellenden Lebensgemeinschaften müssen keineswegs in ihrer Artenzusammensetzung jenen aus vergangenen Epochen entsprechen. Eine unter dem Diktat des Klimawandels an die neuen Umweltbedingungen angepasste Vegetation und Fauna kann und muss wichtige Impulse z. B. für eine an die neuen Verhältnisse an-gepasste Forstwirtschaft, Landnutzung für und erfolgreiche neue Naturschutzstrategien liefern. Neozoa bleiben erfolgreich, wenn sie in durch anthropogene Überformung bestimmte Biozönosen gelangen (etwa auch durch Aussetzung) oder wenn sie eine zuvor nicht besetzte freie Nische vor-finden. Sofern sie auf eine bodenständige Schwesternart treffen, gegenüber der sie sich als konkurrenzstärker erweisen (Beispiel: Amerikanischer Biber Castor canadenis vs. Europäischer Biber Castor fiber) dominieren sie. Der ebenfalls nordamerikanische Bisam (Ondatra zibethicus) fand neben dem Europäischen Biber eine freie Nische und konnte sich in weiten Teilen des europäischen Kontinents weithin etablieren. Irgendwelche bedeutsamen ökologischen Nachteile sin daraus nicht erwachsen. Alle aufwändigen und kostenträchtigen Bisam-Bekämpfungsmaßnahen haben der erfolgreichen Besiedlung keinen Einhalt geboten, diese aber vermutlich eher begünstigt. Neobiota gehen in der Regel nach einer anfänglich invasiven Phase in ihren Beständen zurück und verschwinden wieder. Oder sie besetzen freie Planstellen und fügen sich in die Biozönose und das Ökosystem ein. Eine Bekämpfung kann man sich deshalb entweder von vorneherein ersparen oder sie von einem gewissen Zeitpunkt an aussetzen. Angesichts des einerseits erheblichen Aufwands für derartige Managementmaßnahmen und andererseits chronisch knapper Naturschutzmittel ist es im Sinne eines sparsamen Umgangs mit den verfügbaren Mitteln wichtig, dies frühzeitig zu erkennen. Auch unter diesem Aspekt ist es eher geboten, Eingriffe zu unterlassen vollständig verzichtet wird. Insbesondere bei Säugetieren (z.B. Waschbär, Nutria) tragen Sympathien in der Menschen-bevölkerung maßgeblich zum Fortbestand des Neozoons bei. Die Zufütterung etwa wirkt dem bestandsregulierenden Effekt des natürlichen Nahrungsangebots entgegen. Wir schlagen daher vor, dass jedenfalls Schutzgebiete und andere ökologische Vorranggebiete von Managementmaßnahmen gegen Neobiota grundsätzlich freigehalten werden. Um gegebenenfalls einer unerwünschten Ausbreitung in die wirtschaftlich genutzte Kulturlandschaft entgegenzuwirken, könnten wirksame Maßnahmen zur Prävention schwerer wirtschaftlicher Schäden in speziellen Managementzonen eingerichtet werden. Grundsätzlich sind die wissenschaftliche Dokumentation der Managementmaßnahmen und die Erfolgskontrolle zu gewährleisten. Unerlässlich ist die Fest-setzung des maximalen Zeitraums der Maßnahme, um einer Verselbständigung und Dauerhaftigkeit, wie im Fall der zu einer extensiven Pelztierwirtschaft missratenen „Bisambekämpfung“, vorzubeugen.

Gegen die Nutria gerichtete Bekämpfungsmaßnahmen sind weithin erlässlich: Die im subtropischem / gemäßigtem Klima Südamerikas ursprüngliche Nutria wurde aus pelzwirtschaftlichen Gründen seit ca. 1890 in Europa mehrfach eingeschleppt; aus Pelztierfarmen kamen dann zahlreiche Exemplare frei, die nachfolgen immer wieder eine Aufstockung entstandener Wild- vorkommen bewirkten. Die Nutria hat sich im gemäßigten europäischen Klimabereich weithin, aber mit relativ geringer Siedlungsdichte, etabliert. Eine rasante Verbreitung fand, trotz relativ hoher Reproduktionsrate, allerdings nicht statt. Mitteleuropa bietet kein optimales Klima. Lokale Bestände brechen zumeist wenige Jahre nach einer Ansiedlung wieder zusammen. Winter mit längerer Kälteperiode und Eisbildung auf den Gewässern stellen einen maßgeblichen Faktor der Bestandsregulation dar. Nutrias überdauern Kälteeinbrüche nicht, die winterbedingte Nahrungsverknappung führt zu Schwächung und Tod der physiologisch nicht an den natürlichen Nahrungsengpass adaptierten Nutrias. Lokale Populationen sind kurzlebig und in weiten Gebieten nicht dauerhaft etabliert. Gehäuftem Auftreten steht das territoriale Verhalten der eher standorttreuen, nicht zum Umherstreifen neigenden, Nutrias entgegen. Im urbanen Bereich ist die Ansammlung in Familienverbänden anthropogen bedingt durch vorsätzliche Zufütterung. Die aus Pelztierhaltungen entkommenen, dort durch die züchterische Selektion nachhaltig an die Nähe zum Menschen angepassten und deshalb wenig scheuen, ehemaligen Farmtiere bzw. deren Nachkommen, können infolgedessen eine natürliche Nahrungsknappheit ausgleichen und den verfügbaren urbanen Lebensraum ausfüllen. Eine dauerhafte Beschädigung natürlicher Pflanzenbestände in intakten Biotopen ist bestenfalls als ein äußerst marginales Phänomen einzustufen. Ursachen fehlender Regeneration der Pflanzen sind da eher anderweitig zu suchen als in der Nutria. Diese ist jedoch in der zwischenartlichen Konkurrenz dem Bisam überlegen, was die Nutzung von Futterpflanzen relativiert. Gleichermaßen ergibt sich aus der lokalen Verdrängung des Bisam eine Relativierung hinsichtlich irgendwelcher Beschädigung von Gewässerufern o.ä. infolge der Miniertätigkeit. Das Graben von Wohnbauen pp. ist aus vielerlei ökologischen Gründen (Bodendurchlüftung, Wasserdrainage im Wurzelraum , Wohnstätte für andere Tiere) eher nützlich und wünschenswert. Im Winter stellen geschwächte Tiere geeignete Beute für insbesondere Seeadler u.a. Beutegreifer dar. An durch die Miniertätigkeit als gefährdet erscheinenden Uferbereichen lässt sich dem Graben von Erdhöhlen vorbeugen mit einer aufgelegten Abdeckung aus Drahtgeflecht. So wie sich irgendwelche Feldfrüchte durch eine Einzäunung sichern lassen. Es besteht somit auch aus vermeintlichen wirtschaftlichen Gründen kein Anlass zu irgendeinem Eingriff in den Nutriabestand. Abschuss und Fang wirken eher kontraproduktiv weil sie den innerartlichen Regulationsmechanismen entgegenstehen und eher eine Steigerung der Reproduktion und der Überlebensrate der verbleibenden Individuen zur Folg haben. Abschuss und Fang bergen auch das Risiko, dass andere Arten (Biber, Fischotter) Opfer des Eingriffs werden. Lokal kann unerwünschtem Bestandswachstum durch Sterilisation (Vasektomie) von, in tierschutzkonformen Lebendfallen eingefangenen und später wieder freizulassenden, Nutrias Einhalt geboten werden.

 

Einwand etwa zur Art Wechselblatt-Wasserpest- oder andere:


Gute Gründe sprechen dafür, die Einwanderung fremder Organismen zu akzeptieren. Zumindest in Schutzgebieten und ähnlichen Vorrangflächen für natürliche Habitatentwicklung und Entwicklung der Biodiversität können diese Ziele nur erreicht werden, wenn auch der natürlichen Integration von Neobiota keine Beeinträchtigung durch Eingriffe zuteilwird. Es gibt keine Gründe für ein generelles Vorgehen gegen Neophyta. Die von der EU vorgesehenen Management- und Bekämpfungsmaßnahmen gegenüber Neobiota aller Arten sind untauglich und entbehren jeder realistischen Perspektive. Sie sind ausschließlich zu beschränken auf Einzelfälle, in denen es gilt, schwere wirtschaftliche Schäden abzuwehren, sofern der Betroffene mit einer von ihm anzustellenden Prävention erfolglos blieb. Schutzgebiete und andere ökologische Vorranggebiete sind wegen Sicherstellung der im Zeichen des Klimawandels dringen notwendigen natürlichen Entwicklung der Ökosysteme grundsätzlich von den Maßnahmen auszuschließen. Inseln stehen in einer ökologischen Sonderrolle. Sie bedürfen eines besonderen Augenmerks und möglichst des Fernhaltens von Neobiota . Begründung: Die von der EU geforderten Managementmaßnahmen nach Artikel 19 der EU-Verordnung Nr. 1143/201, der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 2016/1141 sind als anachronistisch und wirklich-keitsfern anzusehen. Die Inhalte entbehren jeder modernen Aktualität evolutionsbiologischer Erkenntnisse und deren zeitgemäßer Umsetzung. Die grundlegende restriktive Haltung gegenüber Neobiota und die überkommene Zielsetzung des generellen Schutzes bodenständiger, meist einseitig präferierter, Arten vor jeglicher evolutionärer Herausforderung durch interspezifische Konkurrenz lässt den Mangel an Akzeptanz und Einsicht in die Erfordernis zukunftsweisender biologischer Abläufe erkennen. Die angestrebten Management- und Bekämpfungsabsichten beinhalten die Fortschreibung antiquierter und vielfach unrealistischer und bereits als untauglich erwiesener Maßnahmen. Sie setzen die der Biodiversität schädliche Überformung der evolutiven und ökosystemaren Entwicklungen fort und sind dazu angetan, die angestrebte Erhaltung und Förderung der Biodiversität schwerwiegend zu belasten. Sie verhindern, dass bodenständige Lebensgemeinschaften, die sich durch natürliche Prozesse ohne menschliche Einflussnahme weiter formen und dem Schutz solcher Prozesse in der Biodiversität dienen; oder sich zu überlebensfähigen Populationen mit Adaptationsvermögen gegenüber den klimatischen Veränderungen die fort zu entwickeln. Die Forderung nach Maßnahmen verkennt völlig, dass eine wesentliche treibende Kraft hinter der rezenten Ausbreitung von Neobiota als Geschehen im Rahmen der Globalisierung zu einem längst nicht mehr beherrschbaren Phänomen wurde. Die Neubesiedlung von Lebensräumen durch gebietsfremde Spezies ist ein natürlicher Vorgang, der z. B. in der Anemochorie und Zoochorie u. a. natülich bedingten Abläufe, etwa auch Verdriftung durch Gewässer, seine tragenden Vektoren hat. Pilzsporen, Pflanzensamen, fliegende Insekten u.a. werden z. B. durch Wind über große Entfernungen transportiert. Nicht zuletzt kommt seit Jahrtausenden der anthropogenen Verschleppung und ge-zielter Verbreitung von fremden Organismen im Rahmen von Human-Migration und Warenhandel besondere Bedeutung zu, die zukünftiger weltweiter Verschleppung von Neobiota Vorschub leisten. Ehemals in mitteleuropäische Regionen eingetauchte Neobiota haben, sofern sie in den nach der anthropogenen Überformung in den sich neu entwickelnden Ökosystemen und Biozönosen konkurrenzfähig waren und eine ihnen zufallende ökologische Aufgabe wahrnehmen konnten, sich etabliert und wurden Bestandteil des Biodiversitätsgefüges. Die nach der Waldrodung entstandenen Lebensgemeinschaften der mitteleuropäischen Agrozönosen wurden wesentlich durch, in der Mediterraneis oder in den osteuropäisch-asiatischen Steppengebieten ursprüngliche, immigrierte oder eingeschleppte, Neobiota geformt. Bei Verfügbarkeit freier Nischen haben sich jene Offenlandbewohner co-evolutiv integriert. Ihnen ist ein Großteil der heutigen heimischen Biodiversität geschuldet. Erfahrungen mit Neobiota, die in anderen Teilen der Erde gemacht wurden, sind nicht zwingend auf die Verhältnisse des europäischen Kontinents übertragbar. Insbesondere die oftmals negativen Auswirkungen auf die Artenausstattung isolierter Lebensräume (wie z. B. die der ozeanischen Inseln) mit begrenzter Nischenverfügbarkeit im jeweiligen Ökosystem und fehlender Adaptation dort endemischer Arten in der interspezifischen Konkurrenz, gelten nicht für unsere Lebensräume. Das Eingreifen zur Eliminierung von Neobiota, das mit aller Wahrscheinlichkeit wiederholte Maßnahmen erfordert und absehbar bei einigen bereits etablierten Spezies generell erfolglos bleiben wird, ist in mitteleuro päischen Biozönosen nicht geboten. Vielmehr gehen derartige Eingriffe gegenüber der Zielsetzung der Erhaltung der Biodiversität mit diesen Zielen nicht konform. Die anthropogene Überformung behindert die interspezifischen Auseinandersetzungen der heimischen Arten mit den neuen Spezies. Letztgenannte werden in den Fällen des Fehlens eines ökologischen Funktionsbereichs für die neue Art in der Konkurrenz unterliegen und untergehen. Bei Verfügbarkeit eines adaptierten Funktionsbereichs hingegen bedarf es der ungestörten co-evolutiven Weiterentwicklung des gesamten interspezifischen Beziehungsgefüges. Eingriffe schädigen dabei mehr als sie nützen und sie verschaffen der neuen Art, wenn sie sich bereits auf geringem Populationsniveau etabliert hat, eher eine Dominanz im Artengefüge. Auf dem Festland sind bei bereits weiter Verbreitung des Fremdlings (anders als auf Inseln) dem Erfolg von Managementmaßnahmen Grenzen gesetzt. Sofern sich die Art adaptieren und einnischen kann und die ökologische Situation der Habitate sie begünstigt, wird sie diese Maßnahmen überdauern und später wieder in Erscheinung treten. Jede Bestandsreduktion, bei der ein Restbestand verbleibt, bewirkt in der Regel eine Erhöhung der Reproduktion. Wenn es sich also nicht um eine lokal begrenzte Startpopulation handelt, die innerhalb kürzester Frist und vor der nachfolgenden Reproduktionsphase restlos eliminiert werden kann, bewirkt die aus dem Eingriff resultierende Verringerung innerartlicher Konkurrenz, die Steigerung der Reproduktionsrate des Fremdlings. Binnen Kurzem wird der durch den Eingriff erfahrene Bestandsverlust ausgeglichen und die Lebensraumkapa zität (carrying capacity) ausgefüllt. Wie alle Arten, ist die in der Primärproduktion stehende Vegetation vorrangig gezwungen, sich an die neuen Bedingungen im Klimawandel anzupassen. Dies wird aber nicht ohne Verschiebungen der Artenspektren geschehen, und zwangsläufig auch die Zuwanderung von gebietsfremden, an die neuen ökologischen Bedingungen besser adaptierten, Arten einschließen. Diese werden sich bei Speziell die Neophyten siedeln sich aller Erfahrung nach vorrangig in Lebensräumen an, die anthropogen überformt sind und in denen das ursprüngliche Artengefüge beeinträchtigt ist. Dabei besteht eine direkte Korrelation zwischen ihrer Häufigkeit und dem Maß, in dem solche Lebensräume anthropogen geprägt sind. In naturnahen Lebensräumen treten sie eher in Pionier- und frühen Sukzessionsstadien auf und werden im weiteren Verlauf der Sukzession erfahrungsgemäß wieder verdrängt. Nur wenige Neophyten konnten sich bisher in ausgereiften natürlichen Lebensräumen etablieren. Unter diesem Aspekt erübrigt sich ein Management von Neobiota in Schutzgebieten oder in der natürlichen Sukzession belassenen Lebensgemein schaften. Den Neophyten kommt eher eine Weiserfunktion für die Adaptations-fähigkeit der heimischen Biozönose und ihres Funktionszustandes in der inter-spezifischen Auseinandersetzung und zur co-evolutiven Entwicklung zu. Es gibt keine Gründe für ein generelles Vorgehen gegen Neophyta. Eine durch Neophyten bedingte etwaige Veränderung der Vegetation, und nachfolgend der Fauna, widerspricht keineswegs dem Grundgedanken der Erhaltung der Biodiversität. Die Entwicklung solcher Gebiete mit Neophytenbestand soll ergebnisoffen ablaufen. Die sich einstellenden Vegetationstypen müssen in ihrer Artenzusammensetzung keineswegs jenen aus vergangenen Epochen entsprechen. Eine unter dem Diktat des Klimawandels an die neuen Umweltbedingungen angepasste Vegetation und Fauna kann wichtige Impulse z. B. für eine an die neuen Verhältnisse angepasste Forstwirtschaft, Landnutzung für und erfolgreiche neue Naturschutzstrategien liefern. Wir schlagen daher vor, dass jedenfalls Schutzgebiete und andere ökologische Vorranggebiete von Managementmaßnahmen gegen Neobiota grundsätzlich freigehalten werden. Um gegebenenfalls einer unerwünschten Ausbreitung in die wirtschaftlich genutzte Kulturlandschaft entgegenzuwirken, könnten wirksame Maßnahmen zur Prävention schwerer wirtschaftlicher Schäden in speziellen Managementzonen eingerichtet werden. Grundsätzlich sind die wissenschaftliche Dokumentation der Managementmaßnahmen und die Erfolgskontrolle zu gewährleisten. Unerlässlich ist die Festsetzung des maximalen Zeitraums der Maßnahme, um einer Verselbständigung und Dauerhaftigkeit, vorzubeugen.

Einwand zur Art Waschbär:

 

Gute Gründe sprechen dafür, die Einwanderung fremder Organismen zu akzeptieren. Zumindest in Schutzgebieten und ähnlichen Vorrangflächen für natürliche Habitatentwicklung und Entwicklung der Biodiversität können diese Ziele nur erreicht werden, wenn auch der natürlichen Integration von Neobiota keine Beeinträchtigung durch Eingriffe zuteilwird. Nicht selektive Eingriffe einer Bekämpfung zerstören sowohl die Altersstruktur als auch die Sozialstruktur. Das hat im Ergebnis eine Erhöhung der Reproduktionsrate und eine Steigerung der Zuwachsrate zu Folge und verfehlt das Ziel der Maßnahme. Generelle Maßnahmen gegenüber Neozoen sind nicht gerechtfertigt. Die von der EU vorgesehenen Management- und Bekämpfungsmaßnahmen gegenüber Neobiota aller Arten sind untauglich und entbehren jeder realistischen Perspektive. Sie sind ausschließlich zu beschränken auf Einzelfälle, in denen es gilt, schwere wirtschaftliche Schäden abzuwehren, sofern der Betroffene mit einer von ihm anzustellenden Prävention erfolglos blieb. Schutzgebiete und andere ökologische Vorranggebiete sind wegen Sicherstellung der im Zeichen des Klima-wandels dringen notwendigen natürlichen Entwicklung der Ökosysteme grundsätzlich von den Maßnahmen auszuschließen. Inseln stehen in einer ökologischen Sonderrolle. Sie bedürfen eines besonderen Augenmerks und möglichst des Fernhaltens von Neobiota . Begründung: Die von der EU geforderten Managementmaßnahmen nach Artikel 19 der EU-Verordnung Nr. 1143/201, der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 2016/1141 sind als anachronistisch und wirklichkeitsfern anzusehen. Die Inhalte entbehren jeder modernen Aktualität evolutionsbiologischer Erkenntnisse und deren zeitgemäßer Umsetzung. Die grundlegende restriktive Haltung gegenüber Neobiota und die überkommene Zielsetzung des generellen Schutzes bodenständiger, meist einseitig präferierter, Arten vor jeglicher evolutionärer Herausforderung durch interspezifische Konkurrenz lässt den Mangel an Akzeptanz und Einsicht in die Erfordernis zukunftsweisender biologischer Abläufe erkennen. Die angestrebten Management- und Bekämpfungsabsichten lassen die Einbeziehung populationsbiologischer und populationsökologischer Parameter vermissen. Sie beinhalten allenfalls die Fortschreibung antiquierter und vielfach unrealistischer oder bereits als untauglich erwiesener Maßnahmen. Sie setzen die der Biodiversität schädliche Überformung der evolutiven und ökosystemaren Entwicklungen fort und sind dazu angetan, die angestrebte Erhaltung und Förderung der Biodiversität schwerwiegend zu belasten. Sie verhindern, dass bodenständige Lebensgemeinschaften, die sich durch natürliche Prozesse ohne menschliche Einflussnahme weiter formen und dem Schutz solcher Prozesse in der Biodiversität dienen; oder sich zu überlebensfähigen Populationen mit Adaptationsvermögen gegenüber den klimatischen Veränderungen die fort zu entwickeln. Die Forderung nach Maßnahmen verkennt völlig, dass eine wesentliche treibende Kraft hinter der rezenten Ausbreitung von Neobiota als Geschehen im Rahmen der Globalisierung zu einem längst nicht mehr beherrschbaren Phänomen wurde. Die Maßnahmen gegen Neobiota sind als im Ergebnis perspektivenlos aktionistisch zu werten. Sie lenken lediglich von der Problematik der aus den globalen Warenströmen und den weltumspannenden Menschenaktivitäten resultierenden Verschleppung von Organismen ab. Die Neubesiedlung von Lebensräumen durch gebietsfremde Spezies ist ein natürlicher Vorgang, der z. B. in der Anemochorie und Zoochorie u. a. natürlich bedingten Abläufen, etwa auch Verdriftung durch Gewässer, seine tragenden Vektoren hat. Pilz-sporen, Pflanzensamen, fliegende Insekten u.a. werden z. B. durch Wind über große Entfernungen transportiert. Nicht zuletzt kommt seit Jahrtausenden der anthropogenen Verschleppung und gezielter Verbreitung von fremden Organismen im Rahmen von Human-Migration, kriegerischen Invasionen o.ä. und globalem Warenhandel besondere Bedeutung zu. Derartige Vektoren leisten generell auch der zukünftigen weltweiten Verschleppung von Neobiota Vorschub. Ehemals in mitteleuropäische Regionen eingetauchte Neobiota haben, sofern sie in den nach der anthropogenen Überformung in den sich neu entwickelnden Ökosystemen und Biozönosen konkurrenzfähig waren und eine ihnen zufallende ökologische Aufgabe wahrnehmen konnten, sich etabliert und wurden Bestandteil des Biodiversitätsgefüges. Die nach der Waldrodung entstandenen Lebensgemeinschaften der mitteleuropäischen Agrozönosen wurden wesentlich durch, in der Mediterraneis oder in den osteuropäisch-asiatischen Steppengebieten ursprüngliche, immigrierte oder eingeschleppte, Neobiota geformt. Bei Verfügbarkeit freier Nischen haben sich jene Offenlandbewohner co-evolutiv integriert. Ihnen ist ein Großteil der heutigen heimischen Biodiversität geschuldet. Erfahrungen mit Neobiota, die in anderen Teilen der Erde gemacht wurden, sind nicht zwingend auf die Verhältnisse des europäischen Kontinents übertragbar. Insbesondere die oftmals negativen Aus-wirkungen auf die Artenausstattung isolierter Lebensräume (wie z. B. die der ozeanischen Inseln) mit begrenzter Nischenverfügbarkeit im jeweiligen Ökosystem und fehlender Adaptation dort endemischer Arten in der interspezifischen Konkurrenz, gelten nicht für unsere Lebensräume. Das Eingreifen zur Eliminierung von Neobiota, das mit aller Wahrscheinlichkeit wiederholte Maßnahmen erfordert und absehbar bei einigen bereits etablierten Spezies generell erfolglos bleiben wird, ist in mitteleuropäischen Biozönosen nicht geboten. Vielmehr gehen derartige Eingriffe gegenüber der Zielsetzung der Erhaltung der Biodiversität mit diesen Zielen nicht konform. Die anthropogene Überformung behindert die interspezifischen Auseinandersetzungen der heimischen Arten mit den neuen Spezies. Letztgenannte werden in den Fällen des Fehlens eines ökologischen Funktionsbereichs für die neue Art in der Konkurrenz unterliegen und untergehen. Bei Verfügbarkeit eines adaptierten Funktionsbereichs hingegen bedarf es der ungestörten co-evolutiven Weiterentwicklung des gesamten interspezifischen Beziehungsgefüges. Eingriffe schädigen dabei mehr als sie nützen und sie verschaffen der neuen Art, wenn sie sich bereits auf geringem Populationsniveau etabliert hat, eher eine Dominanz im Artengefüge. Auf dem Festland sind, bei bereits weiter Verbreitung des Fremdlings (anders als auf Inseln), dem Erfolg von Managementmaßnahmen Grenzen gesetzt. Sofern sich die Art adaptieren und einnischen kann und die ökologische Situation der Habitate sie begünstigt, wird sie diese Maßnahmen überdauern und später wieder in Erscheinung treten. Jede Bestandsreduktion, bei der ein Restbestand verbleibt, bewirkt in der Regel eine Erhöhung der Reproduktion. Wenn es sich also nicht um eine lokal begrenzte Startpopulation handelt, die innerhalb kürzester Frist und vor der nachfolgenden Reproduktionsphase restlos eliminiert werden kann, bewirkt die aus dem Eingriff resultierende Verringerung innerartlicher Konkurrenz, im Ergebnis die Steigerung der Reproduktionsrate des Fremdlings. Binnen Kurzem wird der durch den Eingriff erfahrene Bestandsverlust ausgeglichen und die Lebensraumkapazität (carrying capacity) ausgefüllt. Wie alle Arten, ist die in der Primärproduktion stehende Vegetation vorrangig gezwungen, sich an die neuen Bedingungen im Klimawandel anzupassen. Dies wird aber nicht ohne Verschiebungen der Artenspektren geschehen, und zwangsläufig auch die Zuwanderung von gebietsfremden, an die neuen ökologischen Bedingungen besser adaptierten, Arten einschließen. Speziell die Neozoen siedeln sich eher in Lebensräumen an, die anthropogen überformt sind und in denen das ursprüngliche Artengefüge beeinträchtigt ist. Dabei besteht eine direkte Korrelation zwischen ihrer Häufigkeit und dem Maß, in dem solche Lebensräume anthropogen geprägt sind. Lern- und Anpassungsfähigkeit lassen höhere Tiere zumeist in urbanen Gebieten erfolgreich sein. Unter diesem Aspekt erübrigt sich ein Management von Neozoa in Schutzgebieten oder in der natürlichen Sukzession belassenen Lebensgemeinschaften. Es gibt keine Gründe für ein generelles Vorgehen gegen Neozoen außerhalb der urbanen Lebensstätten, wo es eher eines Managements des Umganges der Menschen mit den Tieren bedarf. Eine durch Neozoen bedingte etwaige Veränderung der Vegetation, und nachfolgend der Fauna, widerspricht keineswegs dem Grundgedanken der Erhaltung der Biodiversität. Die Entwicklung sol-cher Gebiete mit Neozoenbestand soll ergebnisoffen ablaufen. Die sich einstellenden Lebensgemeinschaften müssen keineswegs in ihrer Artenzusammensetzung jenen aus vergangenen Epochen ent-sprechen. Eine unter dem Diktat des Klimawandels an die neuen Umweltbedingungen angepasste Vegetation und Fauna kann und muss wichtige Impulse z. B. für eine an die neuen Verhältnisse an-gepasste Forstwirtschaft, Landnutzung für und erfolgreiche neue Naturschutzstrategien liefern. Neozoa bleiben erfolgreich, wenn sie in durch anthropogene Überformung bestimmte Biozönosen gelangen (etwa auch durch Aussetzung) oder wenn sie eine zuvor nicht besetzte freie Nische vorfinden. Sofern sie auf eine bodenständige Schwesternart treffen, gegenüber der sie sich als konkurrenzstärker erweisen (Beispiel: Amerikanischer Biber Castor canadenis vs. Europäischer Biber Castor fiber) dominieren sie. Der ebenfalls nordamerikanische Bisam (Ondatra zibethicus) fand neben dem Europäischen Biber eine freie Nische und konnte sich in weiten Teilen des europäischen Kontinents weithin etablieren. Irgendwelche bedeutsamen ökologischen Nachteile sin daraus nicht erwachsen. Alle aufwändigen und kostenträchtigen Bisam-Bekämpfungsmaßnahen haben der erfolgreichen Besiedlung keinen Einhalt geboten, diese aber vermutlich eher begünstigt.

Neobiota gehen in der Regel nach einer anfänglich invasiven Phase in ihren Beständen zurück und verschwinden wieder. Oder sie besetzen freie Planstellen und fügen sich in die Biozönose und das Ökosystem ein. Eine Bekämpfung kann man sich deshalb entweder von vorneherein ersparen oder sie von einem gewissen Zeitpunkt an aussetzen. Angesichts des einerseits erheblichen Aufwands für derartige Managementmaßnahmen und andererseits chronisch knapper Naturschutzmittel ist es im Sinne eines sparsamen Umgangs mit den verfügbaren Mitteln wichtig, dies frühzeitig zu erkennen. Auch unter diesem Aspekt ist es eher geboten, Eingriffe zu unterlassen vollständig verzichtet wird. Insbesondere bei Säugetieren (z.B. Waschbär, Nutria) tragen Sympathien in der Menschenbevölkerung maßgeblich zum Fortbestand des Neozoons bei. Die Zufütterung etwa wirkt dem bestandsregulierenden Effekt des natürlichen Nahrungsangebots entgegen. Wir schlagen daher vor, dass jedenfalls Schutzgebiete und andere ökologische Vorranggebiete von Managementmaßnahmen gegen Neobiota grundsätzlich freigehalten werden. Um gegebenenfalls einer unerwünschten Ausbreitung in die wirtschaftlich genutzte Kulturlandschaft entgegenzuwirken, könnten wirksame Maßnahmen zur Prävention schwerer wirtschaftlicher Schäden in speziellen Managementzonen eingerichtet werden. Grundsätzlich sind die wissenschaftliche Dokumentation der Managementmaßnahmen und die Erfolgskontrolle zu gewährleisten. Unerlässlich ist die Festsetzung des maximalen Zeitraums der Maßnahme, um einer Verselbständigung und Dauerhaftigkeit, wie im Fall der zu einer extensiven Pelztierwirtschaft missratenen Bisambekämpfung, vorzubeugen.

Der in Mitteleuropa etablierte Bestand des euryöken Waschbären beruht keineswegs auf starkem Populationswachstum und spontaner Ausbreitung. Vielmehr hat die Ausbreitung vom in Nordhessen gelegenen Ort der ersten Ansiedlung (1934, mit dem Ziel der Bereicherung der heimischen Fauna!) mind. 3 Jahrzehnte gedauert, wobei diese nicht nur auf die seinerzeitige Startpopulation gründet sondern diverse aus Pelzfarmen und privaten Haltungen entkommende Exemplare einen erheblichen Beitrag geleistet haben. Was eine völlig andere Beurteilung der Ausbreitungsdynamik erfordert. Generalistische Lebensweise verleiht ihm Konkurrenzkraft; er hat in seinen nahezu universellen körperlichen und physiologischen Eigenschaften ein hohes Potenzial gegenüber vergleichbaren heimischen Säugern. Seine Behändigkeit und vielseitige Lokomotionsbefähigung verleihen ihm Gestaltungsmöglichkeiten, um die im europäischen Artenspektrum vorgefundene freie ökologische Planstelle eines zwar überwiegend vegetabilischen aber auch carnivoren (? vom aasessenden bis zum piscivoren oder auch oovoren) Allesesser nun erfolgreich ausfüllt. In der im Maßnahmenblatt befürchteten Konkurrenz gegenüber dem mehr an kaltes Klima adaptierten Baummarder kann der Waschbär als ?Sammler und Suchjäger? keine wirkliche Dominanz erlangen. Jener ist ihm in seiner Spezialisierung als Kletterer und überwiegender Jäger (von der Anatomie her eine wahre Kampfmaschine) überlegen und konkurrenzstärker. Die angebliche erhebliche Gefahr für die Europäische Sumpfschildkröte ist jedenfalls nicht dem Waschbären anzulasten, Denn das hierzulande bevorstehende Aussterben der Sumpfschildkröte hat ihren Ursprung in der ehemaligen Übernutzung der Bestände (als ?fleischfreie? Kost für Menschen und ? unbestritten - ganz besonders in der Lebensraumzerstörung durch Melioration, Land- und Forstwirtschaft. Wenn in einem ? von vornherein eher zum Scheitern verurteilten - Wiederansiedlungsversuch mit nur relativ geringer Stückzahl, auch einzelne ausgesetzte Schildkröten von Waschbären als Beute genommen werden, ist das im Gesamtgeschehen der Schildkrötenmortalität lediglich ein einzelner Faktor neben anderen Fressfeinden wie Wildschwein, Dachs oder Wanderratte. Auch irgendwelche Übergriffe auf Fledermausquartiere oder Vogelbrutstätten sind lokale sporadische Einzelfälle von marginaler Bedeutung für die betroffenen Bestände. Bodenbrüter wie etwa Kiebitze können mit Elektrozaun wirksam kostengünstig geschützt werden. Horstbäume können mit den Stamm umfassenden Manschetten, effizient gegen das Erklettern durch Waschbären gesichert werden. Infektionsgefahren für andere Tiere sowie Menschen sind gleicher-maßen unbedeutend und zählen allenfalls zu den allgemeinen Lebensrisiken, auch für freilebende Tiere. Man kann ja nicht ernsthaft einen einzigen vermuteten Fall (das ist bestenfalls ein ?part per billion?) der Spulwurminfektion zum Maßstab von Management- und Bekämpfungsplanung machen. Auch die geltend gemachten ?wirtschaftlichen Schäden? beruhen auf Einzelerscheinung, Schäden an Feldfrüchten werden allzu gern dem Waschbären angelastet (etwa am Mais, um damit der Wildschadensersatzpflicht für Wildschweinschaden zu entgehen). Auch hierzu ist (EU-konform) das Vorliegen ?schwerer wirtschaftlicher Schäden? als Erfordernis von Management und Bekämpfung maßgeblich zu machen. Die benannten Schäden an Gebäuden sind zumeist ursächlich in der besonderen Förderung zu sehen, die der Waschbär im urbanen Bereich erfährt.  Wer vor seiner Haustüre gezielt Waschbären füttert, der provoziert, dass diese sich nahebei einen Unterschlupf suchen! Im urbanen Bereich kann durchaus im Wege der Sterilisation (insbes. Vasektomie) von Waschbären, die in tierschutzkonformen Lebendfallen einzufangen und nach dem veterinärmedizinischen Eingriff im selben Territorium wieder frei zu lassen sind, die Minderung der Reproduktionsrate erreicht werden. Sozial- und Altersstruktur des Bestandes bleiben dabei erhalten und die Wirkung innerartlicher Regulation des Bestandes(= Ergebnis des intraspezifischen Dichteeinflusses) bleibt gewährleistet. In begründeten Einzelfällen mag ein Eingriff zur Entfernung einzelner Waschbären hinnehmbar sein; flächendeckende Maßnahmen sind jedoch keineswegs erforderlich und ohnehin ohne jede nachhaltige Erfolgsaussicht. Insbesondere Schutzgebiete sind vor Anti-Waschbärenmaßnah-men zu verschonen. Diese bewirken eher eine massive Störung und Schädigung der ihnen zugehörigen Flora und Fauna, etwa wegen der täglichen Überprüfung von Fanggeräten oder durch gar Schussabgabe. Darüber hinaus stören solche Eingriffe die Adaptation der Fauna an die Präsenz des Waschbären.

 

Die Wandertaube und andere Opfer der Artenvernichtung

01.September 2014

In diesem, durch mehrere „Jahrestage“ einiger unguter Ereignisse geprägten, Jahr sollte mit Blick auf die Bewahrung der Biodiversität, der biologischen Vielfalt, auch ein Gedenken an eine Vogelart einen gebührenden Platz finden. Denn auch die Vogelwelt hat einen betrüblichen Jahrestag: Am 1. September um 13 Uhr sind genau 100 Jahre vergangen, seit im nordamerikanischen Zoo von Cincinnati im US-Staat Ohio das letzte Exemplar der nordamerikanischen Wandertaube, man hatte sie „Martha“ genannt, im Alter von 29 Jahren verstarb. Man hatte seinerzeit noch versucht, die nahezu ausgestorbene Art durch Nachzucht in Gefangenschaft zu erhalten. Doch diese Tauben züchteten nicht in den Käfigen.

„Martha“ war die letzte ihrer Art! Und sie ist zugleich ein mahnendes Symbol für den Artenschwund und Verlust biologischer Vielfalt auf der Erde. Diese Taubenart, deren Individuen etwa die Größe der bei uns heimischen Ringeltaube hatten, aber in ihrem mehr lebhaft gefärbten Gefieder etwas schlanker und anmutiger erschienen als ihre europäische Schwester, ist unwiederbringlich verloren.

Leider wurde die Wandertaube ausschließlich durch das Wirken des Menschen vernichtet, der lediglich ein paar klägliche Museumspräparate dieser Art übrig gelassen hat. Rücksichtslose Verfolgung dieser Wildtaubenart hat ihre Ausrottung in einem erschreckend kurzen Zeitraum von kaum mehr als einem halben Jahrhundert bewirkt.

Bereits im Jahr1900

war die letzte freilebende Wandertaube abgeschossen worden und seit 1902 wurde kein einziger Vogel dieser Art mehr in freier Wildbahn beobachtet. Dabei stellte die Wandertaube einst nicht nur die häufigste Vogelart Nordamerikas dar, sondern nirgends auf der Erde gab es einen vergleichbar häufigen Vogel. Man schätzt, dass einst bis zu 5 Milliarden Wandertauben weite Gebiete des südlichen Kanada und der USA östlich der Rocky Mountains bevölkert hatten, deren Gesamtverbreitungsgebiet bis zum Golf von Mexiko reichte. Die Schwärme dieser zu den Zugvögeln zählenden Taubenart waren nach den Aufzeichnungen berühmter amerikanischer Naturforscher riesig: Mit bis zu kaum vorstellbaren 1,5 Milliarden Vögel in nur einem Schwarm! Tagelang zogen die ziehenden Tauben vorüber und haben regelrecht die Sonne verdunkelt. Sogar etwa 3,5 Milliarden Tiere hat wohl, so die heutigen Schätzungen, ein einziger Schwarm umfasst, der um 1860 nahe der kanadischen Stadt Toronto auf seinem tagelang währenden Zug nach Süden gesichtet wurde. Doch: Nur 40 Jahre später war die Art ausgestorben – ausgerottet!

Nach dem aktuellen Wissensstand müssen wir erkennen, dass in den letzten 500 Jahren weltweit mindestens 133 Vogelarten ausgestorben, für immer von der Erde verschwunden sind. Eines der berühmtesten Beispiele ist da der fast ein Meter große Dodo (=Dronte) aus Mauritius, ebenfalls ein Taubenvogel, dessen flugunfähigen Individuen bis zu 20 kg schwer wurden. Diese Art hatte sehr große Verluste erfahren durch die von Menschen auf der Insel eingeschleppten Wanderratten, Hausschweine und auch Affen. Aber wesentlich wurde der Untergang der Spezies innerhalb eines Jahrhunderts herbeigeführt durch die Bejagung und Verfolgung der wenig fluchtfähigen und deshalb leicht zu erbeutenden Tiere: So dass bereits um 1690 diese afrikanische Taubenart infolge der unerbittlichen und rücksichtslosen Verfolgung ausgerottet war. Als weiteres Opfer menschlicher Gier und gnadenloser Verfolgung der Wandertaube erfuhr dann eine weitere Taubenart die, durch hemmungslosen Raubbau an einem „Naturgut“ bedingte, Ausrottung.

Das Artensterben hält an

Welche Lehre zog aber der Mensch aus diesem Verlust der einmaligen Ergebnisse der Schöpfung, der Evolution, welche jede einzelne Art darstellt? Derzeit werden weltweit unglaubliche 1.226 Vogelarten als vom Aussterben bedroht eingestuft, von denen mindestens 190 als hochgradig gefährdet gelten. Somit sind etwa zwei Prozent aller weltweit bekannten Vogelarten akut vom Aussterben bedroht. Wobei wir alle die Verantwortung zu tragen haben wenn wieder einen Art verloren gegangen sein wird anstatt ihr allen nur möglichen Schutz, einen Opferschutz, angedeihen zu lassen!

Zwar stellt „das Kommen und Gehen“ der biologischen Arten einen Bestandteil der Evolution dar, der natürlichen Entwicklung der Arten. Aber solche evolutiven Vorgänge laufen über sehr, sehr lange Zeiträume ab. Hingegen war das, was das Verschwinden der vielen Milliarden amerikanischen Tauben in kaum mehr als einhundert Jahren zur Folge hatte, allein vom Menschen verursacht! Es waren wohl auch die Auswirkungen der auf dem amerikanischen Kontinent fortschreitenden Lebensraumzerstörung. Wie etwa die Rodung der großen Laubwaldgebiete, in denen sich die riesigen Brutkolonien der Wandertauben befanden, die jeweils bis zu mehreren hunderttausend Brutpaaren (!) umfasst haben. Die fortschreitende Erschließung des Landes durch Eisenbahnen und Verkehrswege, Siedlungen und die Errichtung hoher Gebäude (an welche ziehenden Schwärme anprallten!), sind vom Menschen verursachte Faktoren, die zum Lebensraumverlust der Wandertaube beigetragen haben; so wie viele anderen Formen der anthropogenen Landnutzung.      

Man mag es ja nicht glauben, dass eine so häufige Vogelart mit einem viele Milliarden Tiere umfassenden Bestand in so kurzer Zeit von der Erde verschwunden ist. Doch, das ist sicher, der wesentliche Grund dafür waren die von den Menschen verübten Massaker, denen die Art nicht standhalten konnte. Zwar hatte die Wandertaube zwei brutbiologische Besonderheiten aufzuweisen, in der Gründe für ihr trauriges Schicksal gelegen haben könnten: einmal die geringe Reproduktionsrate mit jährlich nur einem Jungen pro Taubenpaar und zum anderen das Brüten in den riesigen Kolonien. Worin aber unter den natürlichen Bedingungen ja gerade der Erfolg der Art begründet war, über den Lauf der Zeiten einen Milliardenbestand aufzubauen. Diese Fortpflanzungsstrategie hatte sich seit Urzeiten bewährt. Doch die hemmungslose Verfolgung durch Menschen hat dies binnen kürzester Zeit zunichte gemacht. – Die einheimischen Indianer hatten wohl auch die Wandertauben als Nahrungsquelle zu schätzen gewusst. Aber sie waren diesen Vögeln in Mythen, Erzählungen, Tänzen usw. eng verbunden, und die Einbuße durch Entnahme von Wandertauben zu eigener Ernährung hat dem Milliardenbestand keine Beschädigung zugefügt. Die durch diese Subsistenzjagd jeweils verursachten Verluste wurden in der nachfolgenden Brutsaison leicht wieder ausgeglichen.

Hingegen verübten die zur Zugzeit sich einfindenden Heerscharen von „Jägern“ mit ihren Schießgewehren rücksichtlose blutige Massaker, wenn sie tagelang gnadenlos auf die ziehenden Schwärme ballerten. Es ist überliefert, dass im Jahre 1878 in einer riesigen Brutkolonie mehr als 10 Millionen Tauben getötet wurden, die Kolonie vernichtet. So haben Schießer binnen weniger Jahrzehnte der Art den Garaus gemacht! Tonnenweisewurde diese Jagdbeute – oder eher: das Ergebnis hemmungsloser Gier und Lust am Töten – in Güterzugwaggons diese Jagdbeute in die großen Städte verbracht und als billiges Fleisch konsumiert. Zur Brutzeit schlug man mit Stöcken die Jungen aus den Nestern oder räucherte sie aus; damit man diese unschuldigen Opfer der Gier ebenfalls wieder als Billigfleisch vermarktete. Oder man trieb Mastschweine in die Wälder, damit sie sich an den von den Bäumen geschüttelten Jungtauben laben konnten …. !

Zwar wurde es registriert, dass in wenigen Jahren der Taubenbestand massiv kleiner wurde; aber beendet wurden die Massaker nicht – und dann war es zu spät. Die Wandertaube konnte ob ihrer Besonderheiten in der Brutbiologie, in der die immense Anzahl von Artgenossen in der Brutkolonie wohl einen Schlüsselfaktor dargestellt hat, nicht einmal in Gefangenschaft nachgezüchtet werden. Und so starb mit „Martha“ nach nur einem nur halben Jahrhundert der rücksichtslosen Verfolgung diese zuvor so unglaublich häufige Vogelart aus.

Verpflichtung zum Artenschutz

Ich meine, der Todestag von „Martha“, der letzten Wandertaube, muss uns alle sehr nachdenklich machen. So schnell verschwindet eine vormals so häufige Art für immer von der Erde! Weil der Mensch rücksichtslos mit Naturgütern umgeht, sie plündert und vernichtet. Und wir sehen einmal mehr, dass insbesondere die direkte Verfolgung („Jagd“ mag ich das gar nicht mehr nennen!) und blutige Gemetzel neben der Lebensraumzerstörung ursächlich ist für Dezimierung und Verlust der Arten. Darum sollte der zum einhundertsten Male sich jährende Tag des durch ihr letztes Opfer-Exemplar präzise dokumentierten Verschwindens der Wandertaube für uns die besondere Verpflichtung markieren: Dass wir uns mit allen Anstrengungen einsetzen gegen die ständig fortschreitende Lebensraumzerstörung und gegen die hemmungslose Verfolgung. Was wir wirksam als dem Vogelschutz verpflichtete „Nicht-Regierungs-Organisation“ (NRO / NGO) erreichen können durch den Ankauf von Grund und Boden, um auf diesen Schutzflächen dauerhaft Habitate zu bewahren. Zugleich aber müssen wir intensiv gegen jede Form der Verfolgung vorgehen.

Eine weitere Art in Gefahr: Die Turteltaube

Wir müssen weiter auf das generelle Verbot jeglicher Jagd auf Vögel hin arbeiten – EU-weit! – und insbesondere weiterhin intensiv gegen Wilderei an der Vogelwelt und den illegalen Handel mit Wildvögeln vorgehen. Denn die Wandertaube ist nur eines der zahlreichen Beispiele. Bleiben wir bei den Tauben: Zurzeit können wir zwar noch die Turteltaube in weiten Teilen ihres europäischen Verbreitungsgebiets antreffen. Doch droht dieser vor gut hundert Jahren fast überall häufig vorkommenden Taubenart womöglich ein ähnliches Schicksal wie der Wandertaube. Aber seit gut dreißig Jahren werden aus verschiedenen Gebieten wie Großbritannien, Frankreich oder Rumänien Bestandseinbrüche mit einem Rückgang um mehr als 50% berichtet. Europaweit beläuft sich zwischen 1980 und 2010 die Abnahmerate des Turteltaubenbestands auf 73%. Die Art verschwindet aus weiten Teilen der europäischen Landschaften.

Wesentliche Ursachen dafür dürften in der Lebensraumveränderung infolge der agrarindustriellen Feldbewirtschaftung liegen, welche das Verschwinden der aus allerlei „Unkräutern“ bestehenden Nahrungspflanzen zur Folge hat. Die immer mehr in der Monotonie nur weniger Pflanzenarten der Agrarkulturen verödenden Feldfluren liefern diesen Tauben nur noch bedingt passende Nahrung aus Weizen- Raps- oder anderen Getreidesamen und damit nur ein stark eingeschränktes Auskommen für diese Vögel. Das großräumig immer geringer werdende Nahrungsangebot scheint Veränderungen im Brutgeschehen zur Folge zu haben. Brüteten ehedem die Turteltauben meist drei bis viermal in einer Brutsaison, so finden derzeit nur ein bis zwei Brutversuche statt. Das lässt den starken Bestandsrückgang erklären. Denn statt ehedem 6 – 8 Junge vermag ein Paar nur noch 2 – 4 Küken hervorzubringen, was wegen der natürlichen Verluste kaum ausreicht, den Bestand also solchen zu erhalten.

Aber auch die jagdliche Verfolgung dieser Taubenart, deren Individuen als Zugvögel nur etwa ein halbes Jahr bei uns leben und zur Überwinterung in verschiedene afrikanische Räume ziehen, trägt in hohem Maße zu dieser betrüblichen Bestandsentwicklung bei. Zwar ist die Turteltaube durch die EU-Vogelschutz-Richtlinie von 1979 geschützt. In einigen EU-Mitgliedsstaaten, nämlich Österreich, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, Malta, Griechenland, und Zypern, ist jedoch die Jagd weiterhin erlaubt. In anderen Ländern werden diese Tauben auch illegal abgeschossen; und die Kadaver sollen sogar für „Vogelpastete“ nach Italien und Malta geschmuggelt werden! Der Jagd zu reinen Sport- und Vergnügungszwecken fallen jährlich geschätzte 2 bis 3 Millionen Turteltauben zum Opfer. Bei einem Brutbestand von geschätzten 3 bis 6 Millionen Brutpaaren in Europa und Russland, die kaum noch halb so viele Junge pro Jahr hervorbringen und aufziehen können wie vor etwa einhundert Jahren, ist dieser jagdlich bedingte Aderlass zweifelsfrei als massiv wirkender Faktor einzustufen. Dessen Auswirkungen natürlich mit weiterer Verschlechterung des Zustands des Gesamtbestandes immer stärker spürbar werden und den Abwärtstrend bei dieser Art beschleunigen.

Zwar fordert die Vogelschutz-Richtlinie, so auch andere internationale Artenschutzkonventionen, dass eine Bejagung einer ziehenden Vogelart nur akzeptabel und zulässig sei, wenn sie nicht eine Verschlechterung des Gesamtbestandes bewirkt. Doch wird diese Forderung der EU-Richtlinie zur Farce, da niemand den tatsächlichen Bestand dieser Zugvogelart kennt, man nicht weiß welche widrigen Faktoren der Lebensraumveränderung und der Jagd, auch in den afrikanischen Überwinterungsgebieten, negativ auf den Bestand einwirken. Und von Seiten der EU wird trotz der Kenntnisse um den bedrohlichen Zustand nichts unternommen, diesen immer wieder als zweifelsfrei bestandschädigend erwiesenen Faktor auszuschalten und in allen EU-Staaten die Jagd auf Turteltauben endlich zu untersagen. – Damit nicht irgendwann wieder eine „Martha“ als letztes Opfer ihrer Art als Museumspräparat an den gewissenlosen Raubbau erinnert!

Kandidat: Die Ringeltaube

Die im Gegensatz zur zierlich kleinen, bis 160 g schweren, Turteltaube eher robuste und große (bis 600 g) Ringeltaube besitzt ein weites Verbreitungsareal über die bewaldeten Regionen in Europa bis nach Asien. Auf 30 – 70 Millionen schätzte man vor gut 20 Jahren den Weltbestand; in Europa auf 18 – 34 Millionen. Aber was ist das gegen die einstigen Milliarden Wandertauben?

Ringeltauben sind oftmals auch in Parks, Grünanlagen und Hausgärten usw. anzutreffen, auch schreiten sie dort zur Brut. Mit bis zu 6 Gelegen im Jahr, mit jeweils 2 Eiern darin, bringen sie mehr Junge hervor als die anderen Tauben. Aber die natürlichen Verluste sind hoch. Ringeltauben sind weniger ausgeprägte Zugvogel; gebietsweise bleiben sie auch das ganze Jahr, andere ziehen nur bedingt als Teilzieher und wieder andere sind Kurzstreckenzieher. Dennoch ziehen große Ringeltaubenschwärme im Winterhalbjahr unter Umgehung hoher Gebirge nach Süden und Südwesten und große Schwärme überqueren die Meerengen und die Gebirgspässe, z. B. die der Pyrenäen.  

Es ist unglaublich, was sich dort alljährlich abspielt, wenn sowohl französische wie spanische Jäger mit halbautomatischen Flinten in die ganz niedrig über die Bergpässe streichenden Schwärme hineinballern – ähnlich wird es einst in Nordamerika gewesen sein! Große Netze stellt man auf und mit Lockvögeln bestückte Baumfallen; keine Methode ist zu heimtückisch, um die hemmungslose Gier auszutoben und die vorbeiziehenden Schwärme zu dezimieren. Gerade die französischen Jager waren es auch, die schon um die jahrtausendwende Klage führten über den Rückgang auch bei den Ringeltauben. Sie bestätigten ungewollt das, was die Feldornithologen schon seinerzeit festgestellt haben: dass auch der europäische Ringeltaubenbestand sich im Rückgang von mehr als 25% befindet.

Wenn man den geschätzten deutschen Bestand von ca. 2,4 Millionen Brutpaaren betrachtet und dem die in Deutschland getätigten Jagdabschüsse von bis fast 1 Mio. Exemplaren – allein in NRW um ½ Mio. pro Jahr! Gegenüberstellt, dann lässt das nichts Gutes für auch diese Taubenart erwarten. Die Ringeltaube hat ohnehin eine natürliche Sterblichkeit von zirka 50%; da kann das hemmungslose Abschießen nur in einer Katastrophe für diese Vogelarte enden. Wird auch die Ringeltaube Opfer der Verfolgung?

Mehr Vogelschutz tut not!

Lassen wir uns nicht täuschen! Auch eine heute recht häufige Vogelart (nicht nur die Vögel!) kann „morgen“ schon selten und „übermorgen“ ausgestorben sein. Wie es das Beispiel der Wandertaube grausam aufzeigt.

Die Vögelhaben weltweit unter allen Tiergruppen wohl die größte „Fangemeinde“. Sie sind beliebt bei Jung und Alt, bei Laien wie bei Fachleuten. Man erfreut sich an ihrem Gesang, an ihrem oftmals farbenprächtigen Gefieder und vielfach auch an besonderen Verhaltensweisen. Der Vogelzug, bei dem manche Arten zweimal jährlich Entfernungen von tausenden Kilometern zwischen ihren Brutgebieten und den Überwinterungsgebieten bewältigen, und das nicht nur bei solchen Arten mit körperlich großen Individuen, ist eines der faszinierenden Phänomene in der Biologie der Vögel. Dies sowohl wegen der unglaublichen körperlichen Leistungen der Tiere als insbesondere auch wegen ihres Orientierungs- und Navigationsvermögens. Aber auch die vielfältigen Funktionen der Vögel in ihren Lebensgemeinschaften und Ökosystemen bieten noch viele ungeklärte Fragestellungen und bergen so manches Geheimnis. Unter den Vögeln finden sich sehr viele Arten, bei denen die Individuen über ein großes Lernvermögen und viele andere Tiere übertreffende Sinnesleistungen verfügen. Vögel üben deshalb auf so viele Menschen eine unbeschreibliche Faszination aus.

Das ist dann aber auch ein Grund, weshalb Vögel oftmals zumOpfer der egoistischen Begierden oder Rücksichtslosigkeit der Menschen werden. Wohl haben Menschen so mancher Vogelart Gutes angedeihen lassen; sei das ein weit übernatürlich hohes Nahrungsangebot auf landwirtschaftlichen Kulturen oder die Möglichkeit der Besiedlung von Gebäuden, die als Ersatz für sonst fehlende natürliche Nistgelegenheiten genutzt werden (Schwalben, Weißstorch, Schleiereule, Sperlingen u.a.). Doch sind Nachstellungen und Verfolgung so mancher Vogelart so unglaublich weit verbreitet, dass da eine gewaltige Dissonanz gegenüber der allgemeinen Beliebtheit der Vögel zutage tritt.

Opfer werden Vögel in einem seit Jahrzehnten zunehmenden Ausmaß durch Kollision mit technischen Einrichtungen, insbesondere mit Glasscheiben an Gebäuden, was mit der gravierenden Zunahme der Verwendung dieses Baustoffs an wahren „Glaspalästen“ stetig mehr Verluste unter den Vogelbeständen zeitigt. Besonders gravierend ist das wenn die noch unerfahrenen Jungvögel ausfliegen oder wenn auf dem Zug ortsfremde Tiere nicht mit den Hindernissen vertraut sind. Vögel kollidieren mit den immer schneller dahin eilenden Fahrzeugen auf unseren Straßen, mit Zügen und Flugzeugen. Es ist ein Millionenheer, das allein hierzulande an Todesopfern aus der Vogelwelt zu beklagen ist. Doch damit nicht genug: In einem ideologischen Irrlauf, im Zuge der unbestritten erforderlichen „Energiewende“ (die allerdings zunächst die Senkung der Energieverschwendung avisieren sollte!), hat sich in kurzer Zeit ein immenses Opferpotenzial für die Vogelwelt (und nicht zu vergessen: die Fledermäuse und Insekten) in Form der riesigen Windgeneratoren entwickelt, welche inzwischen allein bei uns in hoher fünfstelliger Anzahl zu Lande und nun auch zu Wasser ihre Massenvernichtung unter den flugfähigen Organismen verrichten. Selbst die Wälder bleiben nicht verschont, in denen man Kahlschläge anlegt und gigantische, die Baumkronen weit überragende, Rotoren errichtet. Da wird der Tod in einer bisher relativ sicheren Sphäre zu einem Alltagsphänomen und zum Albtraum des Artenschutzes.

Perfide ist, wenn Menschen in sogenannter Liebhaberei Vögel frei lebender Arten einfangen und diese Opfer in Käfigen zu ihrem persönlichen Ergötzen oder auch aus Profitgründen halten. Auch hier sind es wieder Millionen von Vögeln, die in Volieren ihr Dasein fristen. Manchmal werden dann Nachkommen herangezüchtet, häufig jedoch sind es aus freier Wildbahn – meist illegal – gefangene Exemplare, die da in Obhut der Vogelhalter stehen. Manipulierte Fußringe, die den gesetzlichen Bestimmungen der Haltungsbeschränkungen dienen und Überprüfbarkeit garantieren sollen, machen den Wildfang zur „Nachtzucht“.

Je seltener eine Art, je höher ihr Schutzstatus, umso höher der Wert eines Individuums. Vögel aus aller Herren Länder finden sich da und der Handel mit ihnen bringt den Händlern und angeblichen Züchtern hohe Gewinne. Es verlangt ein gieriger Schwarzmarkt nach immer mehr „Ware“. Bis zu 80% betragen bei der Plünderung freilebender Vogelbestände die Verluste auf dem Wege vom Tatort zum Kunden. Schmerzen, Leiden und Tod der gefiederten Opfer sind da allgegenwärtig, wenn es um die Befriedigung der Nachfrage geht. In der neben den Niederlanden und Belgien insbesondere Deutschland ein ganz besonders unrühmliches und als solches weltweit führendes Täterland abgibt.

Nicht minder ist die nach wie vor weit verbreitete Vogelstellerei, vor allem rund um das Mittelmeer. Mit großen feinmaschigen Netzen oder mit Leimruten werden in vielen Ländern, leider aber auch innerhalb der EU alljährlich viele Millionen Vögel gefangen. Nach der EG-Vogelschutzrichtlinie von 1979 ist der Fang der Vögel mit Netzen, Fallen, Schlingen und Leimruten untersagt. Der Europäische Gerichtshof hat dies in Verfahren gegen Italien, Spanien und andere bestätigt. Diese Fanggeräte fangen nicht selektiv; es werden auch Exemplare anderer geschützter Arten darin gefangen, nicht nur jener, die nach jeweils nationalem Recht legal gejagt werden dürfen. Dennoch liegt die Zahl der Opfer in hoher zweistelliger Millionenzahl – allein in den EU-Ländern.

In den spanischen Provinzen Katalonien, Castellon/Valencia wurde dieser Vogelmord weitgehend eingedämmt; das Vogelschutz-Komitee e.V. hat maßgeblichen Anteil, dass dort der Vogelfang mit Leimruten in den großen „Barracas“ genannten Fanganlagen praktisch zum Erliegen gekommen ist. Seit ein paar Jahren greifen Polizeibehörden, Staatsanwaltschaften und Gerichte durch. Aber in Frankreich, Italien, Malta, Griechenland, Balkan und Zypern (abgesehen von den Nicht-EU-Staaten wir Ägypten) geht es weiter. In Zypern allerdings ist dank der massiven Schritte gegen die Vogelwilderer die Sache stark reduziert. Anhand der Zahlen von uns aufgespürten und unschädlich gemachten Vogelfangnetzen und Leimruten dürfte sich der Umfang auf vielleicht 10% dessen belaufen, was da noch vor knapp zehn Jahren stattfand. Aber, noch immer werden mehrere Millionen Vögel in der fast ganzjährig praktizierten Wilderei auf dem Durchzug gefangen und als „Delikatesse“ auf dem schwarzen Markt lukrativ verscherbelt. Die Mönchsgrasmücke gilt als „Kaviar“ Zyperns, und ein einziges solchesOpfer bringt dem Wilderer etwa 4 Euro ein. Wen wundert es, dass da einige Berufskriminelle ihr Unwesen treiben? Zu Lasten der Bestände durchziehender Vögel, die auf Grund weitentwickelter technischer Hilfsmittel wie elektronische Lockgesänge und hoher Mobilität der Wilderer mit Kraftfahrzeugen stärker dezimiert werden als je zuvor. Es ist noch ein langer Weg, auch diese Opferzahlen Vergangenheit werden zu lassen; noch immer findet das Vogelmassaker alljährlich in viel zu vielen Gebieten statt. Die Vögel erfahren viele Bedrohungen, unter denen zweifelsfrei die grassierende Lebensraumzerstörung maßgeblich wirkt. Tagtäglich in ungeheurem Ausmaß. Umso wichtiger ist es, auch dort direkt einzugreifen und Vögel wirksam zu schützen, wo akute Verfolgungsie zuOpfernwerden lässt. Deshalb gehen wir unermüdlich gegen die Vogelwilderei vor und wir treten wir ein für das Leben der Vögel frei von allen jagdlichen Nachstellungen.

Diplom-Biologe, Dr. Eberhard Schneider  
Präsident des Vogelschutz-Komitee e. V.