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Die Weihnachtsorgie der Vogelfänger

 Offenbar stand für einige der zypriotischen Vogelwilderer ein lukratives Geschäft bevor: Bei unserem jüngsten Feldeinsatz im östlichen Teil Zyperns, der ob der aufziehenden Schlechtwetterlage eher ergebnislos zu bleiben drohte, wurden wir Augenzeugen einer wahren Vogelfang-Orgie. Für das Auslegen von Leimruten war es freilich zu kühl, und der Regen, als bester Verbündeter der Vögel, machte es nahezu unmöglich die tückischen Klebestöcke auszulegen. So waren es diesmal nur 27 Stück dieser hinterhältigen Fanggeräte, die wir auf Nimmerwiedersehen entfernt haben.

Doch mit den  Netzen  stand es anders: Zwar erwarteten selbst die versierten Ranger des Game Fund (= Forstpolizei) bereits im Vorfeld des herannahenden Sturmes und Regens nicht, dass irgendwelche Verbrecher überhaupt ein Netz aufstellen würden. Doch wir fanden einige!

 Zwei große Netzanlagen wurden von der von uns herbeigeholten britischen Polizei der Sovereign Base Area  (SBA) abgeräumt. Beides Plätze unweit des Wilderdorfes Xylophagou,  wohin wir vor einiger Zeit schon einmal das britische „Abräumkommando“ gerufen hatten. – Nun schon wieder dingfest gemacht worden zu sein, bedeutet für die Täter mindestens eine Verdoppelung der sie erwartende Strafe. Da muss doch die Gier nach dem erhofften Profit aus dem Vogelmord groß sein.

 Doch das waren nicht die  einzigen  Plätze. Auf drei weiteren eingezäunten Grundstücken, die für uns selbst nicht zu bewältigen sind, standen trotz des schweren Sturmes, der die Insel mehr als zwei Tage lang heimsuchte, die Netze aufgespannt. Die Ranger mochten das ob des Windes und der Kälte nicht glauben und verpassten es zunächst, gleich am nächsten Morgen die Täter in flagranti zu erwischen. Aber, wir hatten neben unserer Sichtbeobachtung und Fotos auch Autokennzeichen ermittelt. Allein das reicht zur Überführung. – Inzwischen dürften die Beamten des Game Fund aber auch dort, so wie an einem anderen von uns ausgespähten, von besonders aggressiven und für  uns selbst äußerst gefährlichen Bandenmitgliedern der Vogelfangmafia betriebenen Fangplatz „tabula rasa“ gemacht haben.

 An einem anderen Platz, auf dem zwei Netze schon einmal Opfer meiner großen Messerklinge geworden waren, zwei weitere letztes Jahr vom herbeigerufenen Game Fund eliminiert worden waren, machten wir dann in der Dunkelheit abermals ein Fangnetz aus. Überall bellende Hunde und Personen im Gelände ließen uns den „Zugriff“ auf dem kommenden Morgen verschieben: An Ort und Stelle, rasch noch das Belegfoto – zum Glück keine einziger Vogel im  Netz! Doch dann tauchte ein Pick up-Auto auf; das ließ uns, flach auf den Boden fallend, erst einmal Deckung nehmen und dann der Entdeckung zu entkommen. So nahmen wir den Umweg über die nicht sehr weit entfernte Polizeistation Paralimni. Nach endloser Wartezeit dort, waren wir dann knapp eineinhalb Stunden später wieder am Tatort. Die beiden Uniformierten waren wohl nicht gerade große Helden und zogen es vor, nahe bei ihrem Fahrzeug zu bleiben … während ich unter ihrem besonderen Schutz einmal mehr das große Messer in Aktion setzen durfte.

Zweimal wurden wir in diesem jüngsten Einsatz auch Opfer von Verfolgung durch höchst aggressive Mafiosi. Einer riss sogar die Autotür auf, als wir völlig harmlos am Straßenrand angehalten hatten, und prügelte auf uns ein. Es muss da für die Verbrecher um sehr viel gegangen sein. Wenn selbst die zuständigen Behörden ob der Wetterlage nicht mit Wildereraktivitäten gerechnet hatten, aber dennoch Netze gestellt wurden, dann kann es nur der Profit sein, der die Gier antreibt. – Aber: WIR kommen wieder…. Alsbald!

Dr. Eberhard Schneider

Fotos: Das Ende eines Netzes …. (Klick auf's jeweilige Bild zur größeren Ansicht)