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Nachruf Yvette Wirth aus Vianden (Luxembourg)

IN MEMORIAM

Yvette Wirth aus Vianden (Luxembourg)

Yvette Wirth 1    Yvette Wirth 2

Die Gründerin und langjährige Leiterin der Sektion Luxembourg im Vogelschutz-Komitee  e. V. ist überraschend verstorben. Sie hinterlässt als maßgebliche Ideengeberin und Vordenkerin eine große Lücke in der Gemeinschaft der ihr gleichgesinnten  Tierfreunde, die adäquat zu schließen wohl kaum möglich sein wird und unseren Respekt verlangt.                        
Wenngleich eine schwere Operation ihre Spuren hinterlassen hatte und schwerwiegende Kreislaufprobleme sie zu wiederholten Klinikbehandlungen gezwungen hatten, starb Yvette Wirth am  05. Dezember 2014 ganz unerwartet während eines neuerlichen  stationären Aufenthalts in einer Klinik.
Ihr Leben hatte sie dem Schutz und Wohlergehen der Tiere gewidmet, insbesondere unter Naturschutzerwägungen der Ungestörtheit frei lebender Wildtiere aller Arten in einem ungestörten Lebensraum. Diese Zielsetzung führte Sie schon im Jahre 1999 zum Vogelschutz-Komitee, um mit uns gemein-sam die schon damals schon längst überfälligen Änderungen der jagdrechtlichen Vorschriften sowohl in Deutschland als auch in ihrer Heimat Luxembourg anzustoßen und voran zu bringen. Sie hatte, als erste unseres Kreises, die Kenntnis er-langt vom damals ergangenen Urteil des EGMR, Europäischer Gerichtshof für Menschrechte, in Sachen Chassagnou et al. vs. France, der die zwangsweise Zuordnung von Grundeigentum zu einem Jagdsyndikat (in Deutschland: Jagdgenossenschaft) als einen Verstoß gegen Menschenrecht befunden hatte. Yvette Wirth formulierte diesen höchsten Richterspruch in ihren eigenen Worten ganz klar: „Es darf niemand gezwungen werden, sein Eigentum zur Verfügung zu stellen für Dinge, die er nicht akzeptiert“.

Alsbald hatte sie zusammen mit ihrer Mutter in einem Rechtsstreit vor dem höchsten luxemburgischen Verwaltungsgericht obsiegt und die Entlassung ihres Grundeigentums aus der Zwangszugehörigkeit zum örtlichen Jagdsyndikat erreicht. – Lange bevor deutsche Kläger überhaupt den Weg zu den Gerichten und schließlich zum EGMR fanden. Immer wieder trat Yvette Wirth hervor mit ihren Forderungen nach Wahrung des umfassenden Tierschutzes und der modernen Erkenntnisse der Wildökologie und Populationsbiologie bei der Ausübung der Jagd bei Achtung der Bedürfnisse und arteigenen Belange der Tiere.

Damit hat sie in ihrem Lande viel in Bewegung gebracht; die von ihr mit kreierte Internetseite entwickelte sich zu einer satirisch-humorvollen Plattform für Tierfreunde und Jagdkritiker. Sie, in ihrer zierlichen Statur zwar kein Kraftprotz, erwies sich als eine Meisterin des Wortgefechts, die ihre Gelegenheiten nutzte, sich in Presse und sonstigen Öffentlichkeit trefflich zu artikulieren. Ihr scharfer Geist und breite Sachkunde, gestützt auf große Ausdauer und zähes Durchhalten, waren ihre Stärke. Unter den Jägern und deren Sympathisanten hat sie sich wohl nur wenige Freunde gemacht, dennoch hat sie stets in der verbalen Auseinandersetzung um der Sache Willen nicht den schweren Säbel ihrer Kontrahenten geschwungen sondern stets das Florett als Waffe gewählt, wissend, dass sie nicht auf Rücksichtnahme ihr gegenüber hätte setzen können.
Dementsprechend hat man sie unerbittlich angegriffen – was sicherlich maßgeblich zu ihren sich zunehmend einstellenden gesundheitlichen Problemen geführt hat. Diese kleine, tapfere Frau mit dem Mut einer Löwin und der Ausdauer einer Triathletin hat, ohne jede Rücksichtnahme auf ihr eigenes Wohl und Hab und Gut, nicht aufgegeben.                                                                  
Ihr plötzlicher Tod zeigt: Das bedingungslose Eintreten für Natur- und  Tierschutz ist lebensgefährlich!  

Yvette Wirth hat eine spürbare Umgestaltung der jagdrechtlichen Bedingungen im Großherzogtum bewirkt. Allerdings mit dem „Bumerang“, dass das von ihr und ihrer Mutter er-strittene Gerichtsurteil hinfällig wurde. So begann für sie der Weg durch die nationalen Gerichtsinstanzen auf´s Neue, um den Weg zum EGMR für sie frei zu machen. Das war ihr Ziel, selbst auch beim Menschengerichtshof die Befreiung ihres Grundeigentums von der Zwangsherrschaft des Jagdsyndikats zu befreien. Frist für die Klageschrift war Anfang Januar diesen Jahres….. .
In unserem letzten Telefonat Ende November war sie guten Mutes; und sie erklärte, dass sie nicht aufgeben werde solange nicht die wild lebenden Tiere auf ihrem Grundstück ungestört leben könnten. Doch dann …. kam der Tod.

Yvette Wirth war Autorin eines aufklärendes Sachbuchs , "Die Jagd, ein Mordsspaß", mit welchem sie  gemeinsam mit der luxemburgischen Tierschutzorganisation ALPA  eine große Kampagne startete unter dem Motto "Stoppt d'Juegd op de Renert"  („Stoppt die Jagd auf den Fuchs“). In deren Verlauf wurden mehr als 8000 Unterschriften gesammelt.  Auf Grund dieser Kampagne wurde dann die von Jägern betriebene Fuchs-Schliefanlage geschlossen. Das war ein wichtiger Meilenstein auf Yvettes Weg!

Er kam zu früh, in jeder Hinsicht. Yvette hatte noch so viel vor, große Pläne für den Schutz der Tiere. Wahrlich tragisch ist dabei, dass nun im Großherzogtum Luxembourg sich völlig überraschend eine neue Regelung ergeben hat, für die Yvette Wirth gestritten und gekämpft hat: Ob sofort dürfen Füchse überhaupt nicht mehr bejagt werden. Man folgt endlich, und da ist plötzlich Luxemburg ein Vorreiter, den wissenschaftli-chen Erkenntnissen zur Populationsbiologie und wildbiologi-schen Untersuchungen. Dass nämlich (u.a.) ein Fuchsbestand nicht der Bejagung bedarf: Weil sowohl die Tollwut als auch der dreigliedrige Bandwurm (Echincoccus) keine Gefahr für die menschliche Gesellschaft bewirken; ferner weil der inner-artliche Regulationsmechanismus den Fuchsbestand wirksam  reguliert, was durch jagdliche Maßnahmen nicht möglich ist. Darüber hinaus führt Luxembourg auch weitreichende Schonzeit für Wildschweine ein. So entsteht ganz unverhofft das, was Yvette Wirth angestrebt hat: Ruhe für die Wildtiere.
Schade, dass sie das nicht mehr erleben durfte! Aber gerade darum darf man wohl sagen, dass derjenige Gutes gewirkt hat, dessen Vision nach seinem Abtreten von der  Bühne wahr wird.

Yvette Wirth war, nicht nur für uns, aber für das Vogelschutz-Komitee ganz besonders, eine wichtige Mitstreiterin im täg- lichen Eintreten für das Wohlergehen und den Schutz aller Tiere. Sie war für uns ein ganz maßgeblicher Mitdenker und eine unbeirrbar klare Analystin in neuen Situationen. Ihre mit Humor gepaarte Feinsinnigkeit, ihre unbeirrbare Treue zu den eigenen Zielen und das zähe Überdauern vieler Fährnisse und Widerstände machten Yvette Wirth schon zu Lebzeiten zu einem nachahmenswerten Vorbild des Durchhaltevermögens und gaben ihr die Größe, die sie an eigenem Wuchs nicht gerade hatte.

Wir verbeugen uns in großer Ehrfurcht und Gedenken vor Yvette Wirth und ihrem Werk, das wir als ihr Vermächtnis wahren und in ihrem Sinne fortführen werden. Wir alle haben eine wirkliche Tierfreundin  verloren; Luxembourg und Europa sind um eine tapfere und aufrichtige Bürgerin ärmer geworden! Wir haben eine wahre, gute Freundin verloren.

Ade, Yvette!

Dr. Eberhard Schneider

*: Die Luxemburger Tierschutzorganisation ALPA veröffentlichte ebenfalls einen Nachruf auf Yvette,(www.alpa.lu) ; das Luxemburger Fernsehen rtl.télé brachte einen Nachruf am 15.12.2014 in der Sendung "Magazin, den Nol op de Kapp" von Marc Thoma.


   

Tegeler Fließ (Barnim / Brandenburg)




Tegeler Fließ (Barnim) (Brandenburg)

In Kooperation mit der lokalen Naturparkverwaltung (Barnim) gestartetes Moorschutz-Vorhaben. Ziel des bei der  NP-Verw. angesiedelten Projektes ist die Wiederherstellung des Feucht- und Moorwiesenbereiches im Tal des Fließgewässers durch qualifizierte Gewässer-Aufstaumaßnahmen zur Rekonstruktion eines vormaligen Bruthabitats für an Feuchtgebiete gebundene Avifauna und ihre Biozönose.

Finkenmanöver 2015

Das Lügengespinst der Buchfinkenquäler

Zu: Buchfinkenfreunde im Zwielicht ---Finkenfreunde unter Verdacht

Goslarsche Zeitung Nr. 198 .vom 26. August, S. 9
 http://www.goslarsche.de/lokales/region_artikel,-Illegale-Wildfaenge-Buchfinkenfreunde-im-Zwielicht-_arid,1154088.html (kostenpflichtig nur Abonnenten)

"Die Tierdiebe" Das Erste Link zur Mediathek:   https://twitter.com/ard_presse/status/628468877517815808
Bericht SpiegelTV  http://www.spiegel.tv/filme/illegale-vogeljagd-wilderei/

Langsam, aber gründlich haben die Mühlen der Justiz gemahlen! Zwar war der Vogelfänger und-händler in Bottrop die Zielperson der langwierigen Ermittlungen wegen Verstoßes gegen artenschutzrechtliche Bestimmungen. Doch unverhofft tauchten unter seinen „Stammkunden“ auch die Buchfinkenhalter aus dem Harz auf. Die gesamte “Prominenz“ der Buchfinkengilde ist in den kriminellen unterlagen verzeichnet. Jahrelang haben diese gewohnheitsmäßigen Teilnehmer der gerühmten Gesangswettbewerbe mit angeblichen Harzer Buchfinken ihre Vögel vom geschäftstüchtigen Rechtsbrecher und Vogelwilderer Drees bezogen. Buchfinken, die er illegal vor allem auf dem Bottroper Friedhof gefangen hat. In dem jüngst ausgestrahlten Filmbeitrag hat der „Buchfinken-Oberpromi“ Ehrenberg dann auch bekannt, dass er von Drees Vögel bezogen hat, weil der dieselben ja ohnehin schon gefangen habe. Ehrenberg wusste somit, dass er illegale Objekte kaufte; wenn das nicht eine strafbare Hehlerei ist! Er wusste um die illegale Herkunft der Tiere und nun spielt dieser   m. E. kriminelle Hehler und Betrüger den Ahnungslosen und Unschuldigen!

Den langjährigen Protesten des Vogelschutz-Komitees gegen die Finknerei und die Finkenmanöver lag jedoch auch die Kenntnis zu Grunde, dass es sich bei den gequälten Buchfinken der Harzer Finkner keineswegs um nachgezüchtete Vögel handeln konnte, das es sich da um gewilderte Wildfänge handeln musste. Wir wussten stets, dass man. U. a. mit Leimruten, die in Gesamt-Deutschland immerhin schon mit dem Reichsjagdgesetz 1934 unter Verbot gestellt waren. Was die Finkner nicht gekümmert hat im „schönen Harzer Wald“, den Ehrenberg einst inbrünstig besungen hat.

Gegen die Anwendung eines genetischen Elternschaftsnachweises für die angeblichen Nachzuchten, den wir stets gefordert haben, haben sich die feinen Herren stets vehement gesträubt, vorneweg      besonders heftig der „Saubermann“ und dauer-abonnierte Sieger bei den Wettbewerben Ehrenberg. Nun wissen wir, dass nach den aktuellen Zahlen der Strafverfolger wohl der gesamte Buchfinkenbestand der Harzer Finkner aus illegalen Drees-Wildfängen rekrutiert wurde, im West- wie im Ostharz ; der kleine Rest wurde vermtl. im Harz gewildert.. – Lügen, Rechtsverstöße, anhaltender Selbstbetrug und schließlich massiver Betrug an den zahlenden Besuchern der „Gesangswettbewerbe“, auf denen eher die Friedhofsgesänge aus dem Ruhrgebiet zu hören waren, statt bodenständiger Harzer Finkenschlag, haben jahrelang die tierquälerische Kleinkäfighaltung der an das vorherige Leben in Freiheit gewöhnten Buchfinken geprägt. Sogar wissenschaftliche Kapazitäten der Vogelhaltung wurden hinter´s Licht geführt und getäuscht! Und nun, da die Beweise gegen die Drees-Kunden Ehrenberg & Co. erdrückend sind, allesamt kriminelle Hehler und Betrüger, soll das noch immer nicht wahr sein....

Man wird sehen! Die Mühlen mahlen weiter und wir beobachten das widerliche Treiben der Finkner weiterhin. Jedenfalls ist dieser ohnehin Blödsinn mit dem kulturellen Erbe durch die Beschmutzung mit Rechtsbrüchen und Unwahrheiten von den Finknern selbst desavouiert und so beschädigt worden, dass es wohl aberkannt werden muss, dass jene Politiker, die „auf mehr als einem Auge blind„ und höchst populistisch den Unsinn verzapft haben, diese sehr fade gewordene Auszeichnung widerrufen werden müssen. Und die bisher lokalpolitisch bestimmten, und sowohl auf allen Augen so blinden wie auf allen Ohren tauben, Behörden werden endlich ihrer Pflicht nachzukommen haben, die ihnen Artenschutzrecht und Tierschutzgesetz auferlegen, in Niedersachsen wie in Sachsen-Anhalt. – Die Buchfinken werden ihre Freiheit erlangen, „Finkenmanöver„ sind passe´!

Dipl.-Biol. Dr. Eberhard Schneider

Präsident des Vogelschutz-Komitee e. V., Hamburg

Anschr. Vogelschutz-Komitee e. V.

Postfach 3741, 37027 Göttingen




 


Finkenmanöver

Altenau 2015

Himmelsfahrttag

Waldschwimmbad-Gelände

Es war wohl einmal mehr ein ziemlicher Flop, soweit das die Besucherscharen zum diesjährigen „Finkenmanöver“, jener ursächlichen tierquälerischen Veranstaltung der Harzer Buchfinkenhalter, anbetrifft.

Auch die „Neuigkeit“ des Veranstalters Ehrenberg, dass diese Tierleiderzeugung eine Anerkennung als ideelles nationales Kulturerbe“ erfahren hat, eine fragwürdige Anerkennung einer anscheinend sachlich, so uninformierten,   wie auf Wählerstimmen schielenden Politik der dem Magdeburger Kollegen wohlgefälligen Kultusminister der Länder.

Mit diesem Renommee wollte wohl der langjährig an die Siege seiner eigenen Gesangsfinken gewöhnte „Oberfinkner“ Ehrenberg die Besucherscharen auf das Gelände des Waldschwimmbads in Altenau locken, welches er vor Jahren schon zum Zwecke seiner Veranstaltung und seiner persönlichen Auftritte angepachtet hatte, um unsere Protestaufzüge gegen die Finkenquälerei abzuwehren und die Aktionen des VSK sogar von der Polizei davon jagen zu lassen.

Allein, wie unsere Bilder zeigen: Es wollten sich wohl auch in diesem Jahr keine Besucher mehr an dem unsäglichen Tiermissbrauch ergötzen; die Zuschauer ließen auf sich warten!

Aber nicht nur Besuchermangel ließ das Unternehmen in einem bescheidenen Erfolg. Auch die Finkenhalter waren wenig zahlreich, die ihre wochenlang in den eingehüllten Kleinkäfigen eingesperrten Vögel der Tortur aussetzen mochten.

Im Vergleich zu der früheren, in Altenau zelebrierten, Großveranstaltung fand sich auch in diesem Jahr nur ein klägliches Häufchen Finkenquäler ein. So konnte Ehrenberg einmal mehr seine einsame Rolle als ewiger „Platzhirsch“ im „schönen Harzer Wald“ ausfüllen – zum Leid der Buchfinken.

Man muss kein Prophet sein, um da aufzuzeigen, dass das Ende nah ist; dieses Elend der Vögel bald abgeschafft sein wird.

Nach allen unseren Kenntnissen widerfährt den Buchfinkenallmählich die Gerechtigkeit. Die Mühlen der Justiz arbeiten zwar langsam, aber wirksam. Es wird dann wohl peinlich werden für die Kultusminister mit ihrem albernen „Kulturerbe“, wenn aufgezeigt sein wird, dass dieses alles auf massiven Rechtsverstößen beruht, so wie wir vom VSK schon seit über 20 Jahren unseren Protest gegen die Buchfinkenhaltung und –quälerei artikuliert haben.

Dr. Eberhard Schneider

Kraniche aktuell 2016/2017

 

Naturstiftung Kranichland
Gemeinnützige Stiftung für Natur und Umwelt


Kranichzählung

In bewährter Weise findet unter Mitwirkung zahlreicher passionierter Fachleute vom Kranichschutz Deutschland  und freiwilligen Helfern an jedem Dienstag die „Zählung „ der von den Schlafplätzen abfliegenden Kraniche statt.

Dies läuft nach einem festliegenden Schema ab; dergestalt dass jeweils zwischen 06 Uhr und 10 Uhr festgelegte Beobachtungspunkte im Gebiet um die Schlafplätze (die miteinander kommunizierenden Plätze “Oberes Rhinluch“ bei Linum und „Havelland“ bei Nauen) von den Beobachtern bezogen werden. Sie registrieren in den ihnen zufallenden Sektoren die Anzahl der zu den Nahrungsplätzen abfliegenden  Vögel. Dies geschieht ungeachtet der Wetterlage und sonstiger Störereignisse oder etwa späterem Ausflug vom Schlafplatz nach dem fixen Beobachtungsende.

Bei der nachfolgenden Besprechung wegen  Feststellung der Gesamtzahl aller Beobachtungen erfolgt dann grundsätzlich ein Abzug in Höhe  von 10% des  Zählergebnisses, um etwaige Doppelzählungen oder Überschätzung auszugleichen. Natürlich erfolgt keine Einzelzählung tausender Vögel, sondern eine Schätzung der jeweiligen Truppgrößen durch die darin versierten Beobachter.

In dieser Saison stellt sich das Gesamtbild etwas uneinheitlich dar als gewohnt. Die ersten Kraniche kamen im September erst später als üblich an. Zur Nahrungssuche suchten sie weit verstreut in der Region liegende Flächen auf. Nach den hohen Niederschlägen im Juni/Juli  standen (stehen noch immer) Flächen unter Wasser oder sind so nass, dass die Ernte von Getreide/Mais oder Wiesen  nicht möglich war. So finden sich auf Wiesen und Getreideflächen oder bereits aufwachsender Wntersaat noch immer gute Nahrungsflächen für die Kraniche, die insbesondere auch in den weichen Böden nach Insektenlarven usw. stochern können. In abgelegenen Bereichen wurden wohl auch nach den Niederschlägen verbliebene Blänken sogar als Übernachtungsplätze aufgesucht.

Äußerst unschön und im Sinne des Kranichschutzes nicht hinnehmbar ist die Uneinsichtigkeit mancher „Naturbeobachter“, die meinen, dass sie sich als besonders naturkundige Individualisten gerieren müssen, sich nicht an Wegeabsperrungen halten oder gar versuchen, über offene Flächen sich den Kranichen zu nähern. Die Rücksichtslosigkeit  (die insbesondere auch ortsansässige Agrarier mit Knallapparaten oder durch gezieltes Verscheuchen der Vögel praktizieren) schadet den ja grundsätzlich ruhebedürftigen Vögel. Jede Störung, die  sie mit Flucht und Wegflug quittieren, bedeutet einen  zusätzlichen Energieverbrauch. Dies müssen  sie dann  andernorts durch erhöhte Nahrungsaufnahme kompensieren.

Schließlich  können sie, wenn wegen zu häufigen Flüchtens die Zeit nicht mehr ausreicht hinreichend Futter aufzunehmen,  nicht die nötigen Energiereserven bilden, die sie  für den Weiterflug in die mediterranen Überwinterungsgebiete benötigen.  

Dr. Eberhard Scheider, 27.10.17


Aktuelle Angaben der Naturschutzstation Rhinluch in Linum zu

den in der Region rastenden Kraniche

date

Rhinluch

Havelluch

nombre total

26.09.2017

Min. 20.000

 

Min. 20.000

03.10.2017

48.990

8.190

57.180

10.10.2017

37.510

Min. 3.470

Min. 40.980

17.10.2017

29.850

Min. 7.600

Min. 37.450

24.10.2017

Min. 60.020

Min. 14.380

Min. 74.400

31.10.2017

16.940

Min. 16.270

Min. 33.210

07.11.2017

brouillard / fog Min. 780

Min. 8.150

Min. 8.930

14.11.2017

brouillard / fog

Min. 12.470

Min. 12.470

 



Kranichrastplatz Linum – der Trittstein im Vogelzug

„Uhl“ und Nachtigall

Außergewöhnlich gestaltete sich das jüngste Geschehen um den Kranichrastplatz im Oberen Rhinluch. Zunächst hatten die überaus ergiebigen Niederschläge Ende Juni ihre Folgen gezeitigt:. Nicht nur, dass in der betroffenen Region die zu jenem Termin zumeist noch sehr kleinen und nicht hinreichend befiederten Weißstorchküken Opfer der Nässe wurden.

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Abb. Rauswurf des toten Kükens

Auf den insgesamt 9 besetzten Storchenhorsten in Linum wurden z. B. nur fünf Küken groß. Diese Glücklichen waren schon früh geschlüpft und entsprechend weiter entwickelt und bereits einigermaßen „nässefest“ befiedert.
Es sammelte sich auch weithin das weder versickernde noch abfließende Oberflächenwasser auf den Feldern und Wiesen des Luchs. So waren dann auch jene Grünlandflächen großflächig vom Wasser überstanden, auf denen sich im Frühherbst die großen Scharen des Grauen Kranichs einstellen und dort ihren Schlafplatz finden. Üblicher Weise wird nach der Sommertrockenheit dieser bedeutsame Schlaf- und Rastplatz im Zuge des im Rhinluch praktizierten Kranichschutzes alljährlich bereits zu Beginn des September mit Wasser aus dem Linumer Teichgebiet geflutet, um mit einigen Zentimetern Wasserstand auf der Wiesenfläche diesen Bereich für die Kraniche attraktiv zu gestalten.

Dadurch erfährt das Gebiet eine erhebliche Steigerung der Attraktivität für die Kraniche und eine Steigerung der Übernachtungskapaziät, die ansonsten bei etwa 30.000 Kraniche läge, die in den vom Vogelschutz-Komitee angepachteten großen Teichen im Linumer Teichgebiet ihren Platz finden können. Infolge des seit Juli dort stehenden Regenwassers konnten aber in diesem Jahr die Wiesen des Schlafplatzbereiches nicht wie üblich zur landwirtschaftlichen Nutzung gemäht werden. Der Vegetation kam dies zu Gute, sicher auch der Insektenfauna und manchem Vogel. Die aus der heutigen Mähpraxis resultierenden Zerstörungen blieben aus, bei der innerhalb kürzester Zeit auf sehr großer Fläche eine massive sowohl strukturelle als auch qualitative Habitatveränderung erfolgt.

Doch in Erwartung des Eintreffens der Kraniche kam die Besorgnis auf, dass wegen des weithin mehr als mannshoch stehenden Bewuchses diese Gastvögel den Platz diesmal meiden könnten und andernorts nach ihren Bedürfnissen gerecht werdenden Übernachtungstätten zu suchen hätten.
Was, zumindest für manchen der örtlichen Kranichschützer, einen schwerwiegenden Verlust bedeutet hätte. Da keine Möglichkeiten zur Abhilfe zur Verfügung standen und der Agrarbetrieb mit seinen für das wassergesättigte Gelände ungeeigneten Großmaschinen keinerlei Mahd ausführen konnte, sprang das Vogelschutz-Komitee ein. Nach Abwägung wegen der uns allein daraus zufallenden Kosten und des  Für und Wider in der Entscheidung über die mögliche Meidung des hohen Bewuchses durch die Kraniche entschieden wir uns, durch unseren örtlichen Kooperationspartner mit dessen für nasse Bodenverhältnisse geeigneten Technik, das Areal mulchen zu lassen und somit den hohen Bewuchs zu beseitigen. 


Abb. 1 – 3: Der große Schlafplatz im Rhinluch steht nach dem Mulchen den Kranichen zur Verfügung.  

Die bereits seit Ende September dort übernachtenden Kraniche lassen erkennen, dass diese Entscheidung nicht in´s Leere ging und dazu beigetragen hat. So war es dann  auch in diesem Jahr wieder tausenden von Besuchern vergönnt, die Kraniche beim abendlichen Einflug in den großen Schlafplatz zu beobachten oder sie überhaupt in der Region wie gewohnt erleben zu können.


Abb. Kraniche - Bilder von E. Bitterle

Aber nicht nur die, im Rhinluch leider oftmals sehr einseitig bevorzugten, Kraniche haben ihre Förderung durch diese Naturschutzmaßnahme erfahren. Es haben auch zahlreiche andere Vogel Arten daraus Gutes bezogen. Nicht ganz unerwartet sind nämlich unter anderem zahlreiche Limikolen im Gebiet aufgetaucht. Sie finden ganz so wie ehedem, vor der Melioration des Luchs vor gut 50 Jahren, auf den nassen Flächen ein hervorragendes Nahrungshabitat vor.

So berichtet K.-H. Sass, der dort sogar bis zu ca. 150 Exemplare verschiedener  Arten der Schnepfenvögel dort beobachtet hat, nicht nur von zahlreichen Kiebitzen; sondern auch von,zahlreichen Bruch- und Waldwasserläufern, Grünschenkeln und Großem Brachvogel. Im aktuellen Vogelzuggeschehen suchen auch die Limikolen dieses, nun durch das Wasser  bestimmte Habitat als Nahrungs- und Rastplatz auf. Dies unterstreicht einmal mehr die große Bedeutung des Rhinluchs als „Trittstein“ im Vogelzug.

Wenngleich die ergiebigen Niederschläge für die jungen Weißstörche leidvoll waren, haben sie in der Folge nicht nur für die Störche ein reicheres Nahrungsangebot gezeitigt. Sie haben in der Fläche eine den ursprünglichen natürlichen Verhältnissen Gesamtsituation bewirkt, die dann schließlich den durchziehenden Limikolen das Verweilen, Rast und Nahrungsangebot ermöglicht; so wie auch die Kraniche auf nicht abgeernteten Getreide- und Maisfeldern oder Wiesen eine gute Nahrungsversorgung erfahren haben.   

Dr. E.Schneider



Kraniche in der Umgebung von Linum

Liebe Kranichfreunde.
Der Zug der Kraniche in die Brutgebiete zeigte sich in den letzten Tagen des Februar bei Hochdruckwetterlage selbst für Laien als besonderes Ereignis aus. Die Windrichtung aus SW bei guter Sicht mit ausreichend Sonnenschein sorgte für hervorragende Zugbedienungen, die mit dem Sturmtief abrupt beendet worden sind.
Am gestrigen 1. März haben wir uns den gesamten Tag auf der Suche nach Kraniche auf den Weg gemacht, die den Massenzug bedingt durch das über uns liegende Tiefdruckgebiet in unserem Gebiet abgebrochen haben. Dabei stellten wir fest dass fast alle bekannten Brutplätze besetzt sind. In der Umgebung der Autobahn A10 Berliner Ring fanden wir die erste größere Gruppe mit 370 Kranichen auf im Herbst nur mit einer Scheibenegge bearbeitet wurde. Vermutlich finden die Vögel in der verrotteten Wurzel reichlich Nahrung. Bei genauerer Untersuchung der Wurzel stellt sich heraus, dass fast in jedem Stoppel der aus der Erde ragt ein Regenwurm zu finden ist.

Die nächste größere Ansammlung mit 250 Kranichen sind bereits einige Tage zwischen Gehrenberg und dem Ortseingang von Linum zu finden. An der Kuhhorsterstraße wurde gerade das Futter für dieRinder ausgebracht. Dort befanden sich bei dauernden AN und Abflügen180 Kraniche, die sich das Silage Futter mit den Rindern teilen. An der nächsten Stelle südlich und nördlich vom Mittelweg befanden sich nach Schätzung 1500 bis 2000 Kraniche auf Grünland oder umgebrochenen Maisstoppel. Östlich der Straße Betzin Jahnberge wurde mit 2 Traktoren gepflügt. Grob geschätzt begleiteten 2000 Kraniche die Traktoren um sofort hinter den angehängten Scheibeneggen Nahrung aufzunehmen. Insgesamt haben wir mit 3 Spektiven ausgerüstet keinen Ringvogel gefunden. Zurzeit haben wir in Brandenburg einen durch das Wetter bedingten Zugstau.

Anzumerken ist, dass die Vögel sehr große Zugunruhe in sich haben und auf jede Störung reagieren. Das trifft jedoch nicht für die Kraniche zu, die bereits einige Tage direkt östlich vor Linum verweilen. Das so glaube ich, ist bereits der Stamm der Vögel, die bei uns als Übersommerer bleiben werden. Übernommener werden die noch nicht geschlechtsreifen Nichtbrüter und Junggesellen genannt. Die Anzahl von Übersommerern die in den vergangenen 10 Jahren in Linum verweilten,schwankt zwischen 280  und 600 Exemplaren. Aus dieser Gruppe die den Schlafplatz am Birkhühnerdamm nutzt, gehen dann 30 bis 70 Kraniche  hervor, die die Ruhe zur Schwingmauser brauchen. Die Vögel sind dann bis zu 5 Wochen Flugunfähig und dürfen nicht gestört werden.      

Best greetings

Kranichekke


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Veranstalter einer Treibjagd

Veranstalter einer Treibjagd

Veranstalter von Treibjagden müssen betroffene Landwirte rechtzeitig über Jagdvorhaben unterrichten

Der Bundesgerichtshof hat ein Urteil des Oberlandesgerichts Oldenburg bestätigt, mit dem die Veranstalter einer Treibjagd verpflichtet wurden, einem Landwirt Schadenersatz zu zahlen, nachdem dessen Rinder durch die Treibjagd in Panik geraten und von der Weide ausgebrochen waren.

Die Beklagten des zugrunde liegenden Streitfalls, zwei aus Lingen stammende Jäger, veranstalteten im Dezember 2009 in unmittelbarer Nähe des landwirtschaftlichen Anwesens des Klägers eine Treibjagd. Dabei lief ein von einem Jagdgast geführter Jagdhund auf die Weide des Landwirts und versetzte drei dort grasende Rinder in Panik. Die Tiere durchbrachen den Zaun und mussten von dem Landwirt wieder eingefangen werden. Dabei stürzte dieser und zog sich einen komplizierten Bruch der rechten Hand zu.

LG verneint Haftung der Treibjagd-Veranstalter

Mit der Klage vor dem Landgericht Osnabrück nahm der Landwirt die Veranstalter der Treibjagd auf Zahlung eines Schmerzensgeldes und Schadensersatz in Anspruch. Das Landgericht wies die Klage ab. Es hielt die Veranstalter der Treibjagd nicht für verantwortlich.

Dritte dürfen nicht durch jagdtypische Gefahren zu Schaden kommen

Die Berufung des Landwirts vor dem Oberlandesgericht Oldenburg hatte Erfolg. Das Oberlandesgericht gab der Klage dem Grunde nach statt. Zur Begründung führte er aus, die Veranstalter einer Treibjagd seien dafür verantwortlich, dass Dritte nicht durch jagdtypische Gefahren zu Schaden kämen. Sie hätten sich vor Beginn der Treibjagd darüber zu vergewissern, ob sich in dem zu durchjagenden Bereich Nutztiere befänden, welche durch Schüsse oder durchstöbernde Hunde gefährdet werden könnten. Zumindest seien sie verpflichtet, die betroffenen Landwirte von der Treibjagd zu unterrichten, damit diese Vorkehrungen zum Schutz der Tiere treffen könnten. Unterließen die Veranstalter solche Sicherungsmaßnahmen, hafteten sie auch für die Schäden, die durch das Einfangen flüchtender Nutztiere entstünden.

LG muss über Höhe Schmerzensgeld und Schadensersatz entscheiden

Die von den Veranstaltern der Treibjagd dagegen erhobene Nichtzulassungsbeschwerde wies der Bundesgerichtshof zurück. Damit ist das Urteil des Oberlandesgerichts Oldenburg rechtskräftig. Über die Höhe des Schmerzensgeldes und des Schadensersatzes hat nunmehr das Landgericht Osnabrück zu befinden.